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Genosse goes global

Veröffentlicht am:  04. September 2007
— Alexander Schindler, Union Investment, Vorstand

Union-Fonds für Chinesen? Asiatische Titel für europäische Anleger, managed in Hongkong? Und mehr internationale Investoren in Union-Strategien? Das alles soll einmal Wirklichkeit sein, auch im institutionellen Geschäft. Doch die erste Aufgabe bleibt das Wachstum bei Nicht-Genossen, vor allem bei Versicherern und Unternehmen.

Fragen: Maik Rodewald

Antworten: Alexander Schindler, Union Investment, Vorstand

Wer wollte, könnte sogar Alexander Schindler so richtig ärgern: Man behaupte nur, angelsächsische Asset Manager seien besser, schneller, weiter. Dann wird er charmant und bestimmt erläutern, weshalb das nicht so ist und warum deutsche Asset Manager künftig beste Chancen auf die Milliarden ausländischer Großinvestoren haben. Diese Überzeugung wurzelt in seiner Erfahrung bei der Commerz International Capital Management (CICM), zu der der gelernte Jurist 1988 nach seiner Traineeausbildung bei der Commerzbank stieß. Dort managte er Rentenportfolios, auch für richtig große ausländische Anleger, und stieg rasch zum CEO auf. Fünfeinhalb Jahre, nachdem ihn Detlef Bierbaum Mitte 1998 zu Oppenheim geholt hatte, konnte er dem Angebot der Union nicht widerstehen: ein Vorstandsposten und eine klare Mission – das institutionelle Geschäft jenseits des Finanzverbundes flott zu machen. Am 5. Mai wurde er 50 Jahre alt.

MRO



dpn: Herr Schindler, haben Sie dieses Jahr schon gefeiert?


Schindler:
Was sollte ich Ihrer Meinung nach feiern? Dass wir in diesem Jahr im institutionellen Geschäft bereits 36 neue Kunden gewonnen haben – darunter sogar 29 aus dem nicht genossenschaftlichen Sektor?


dpn: Nein. In diesem Jahr sind Sie 20 Jahre lang dem institutionellen Asset Management treu.


Schindler:
Das stimmt. Aber dann schlage ich vor, dass ich erst Ende 2007 feiere, denn ich bin erst Ende 1987 zur CICM gestoßen, als Manager für internationale Renten-Portfolios.


dpn: Direkt nach Ihrer Ausbildung als Volljurist haben Sie gleich Vermögen verwaltet?


Schindler:
Nicht direkt danach. Die Commerzbank hat mich zuerst geschult, unter anderem in New York. Dort begann meine Faszination für die Internationalität der Kapitalmärkte. Aber Sie haben schon Recht: Dass ich damals recht schnell Portfolios managen durfte, dazu noch für ausländische, große Investoren, ist aus heutiger Perspektive ungewöhnlich. Aber die Nachfrage internationaler Investoren wie die Adias dieser Welt nach deutschen Asset Managern war groß – und Fondsmanager gab es nur wenige.


dpn: Wenn Sie zurückblicken, welches war Ihr Schlüsselerlebnis im Asset Management?


Schindler:
Der Crash 1987, den ich als Trainee in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Commerzbank erlebt habe. Alle Volkswirte wurden damals aus der Bahn geschmissen, weil die Märkte etwas vollzogen, was sich fundamental nicht erklären ließ. Das hat mir gezeigt: Man muss sich immer wieder überprüfen, nichts ist gegeben. Wer glaubt, er beherrsche alle Facetten der Kapitalmärkte, lebt sehr gefährlich.


dpn: Und deswegen schreibt sich unter Ihrer Ägide Union Investment das Risikomanagement auf die Fahne?


Schindler:
Das ist sicherlich auch ein Grund, ja.


dpn:
Herr Bierbaum von Oppenheim hat in der vergangenen Ausgabe in unserer Rubrik Chefsache fast dasselbe gesagt: Der 87er Crash war sein einschneidendes Erlebnis, und in New York hat ihn die Internationalität des Geschäfts für das Banking fasziniert. Hat er Sie auch zu Sal. Oppenheim geholt?


Schindler:
In der Tat, ja. Nach zwölf Jahren CICM wollte ich damals stärker mit deutschen Investoren arbeiten, denn meine Erkenntnis war, dass ein deutscher Anbieter im Wettbewerb mit angelsächsischen Anbietern auch bei internationalen Investoren durchaus bestehen kann.


dpn: Was haben Sie an einer Privatbank wie Sal. Oppenheim geschätzt, was an Union Investment?


Schindler:
An der Privatbank habe ich das stark unternehmerisch geprägte Tun und Handeln geschätzt, das Erkennen und Ergreifen von Opportunitäten. Das war ein positiver Schock, als ich von der Commerzbank zu Sal. Oppenheim kam. Union Investment ist damit nicht vergleichbar: Unser Auftrag lautet, den genossenschaftlichen Finanzverbund mit Asset-Management-Produkten zu versorgen – wohlgemerkt als wettbewerbsfähiger Anbieter. Dadurch sind die Arbeitsschwerpunkte teilweise andere, die strategischen Überlegungen sind längerfristig angelegt.


dpn: Und was macht mehr Spaß?


Schindler:
Beides hat Vor- und Nachteile. Mir macht die Aufgabe jetzt jedenfalls sehr viel Spaß. Auch deshalb, weil die Aktionäre von Union Investment bereits eine entscheidende Weichenstellung vollzogen hatten, bevor ich Anfang 2004 dazustieß: die Zusammenführung der Asset-Management-Aktivität unter einem Dach. Ich wusste, ich komme zu einem Asset Manager, der im internationalen Wettbewerb bestehen kann und erhebliche unerschlossene Potenziale vor allem bei nicht genossenschaftlichen Kunden hatte.

Vielleicht darf ich aber auf Ihre Frage nach meinem Schlüsselerlebnis im Asset Management noch eines ergänzen: Die Jahre 2001 bis 2003 haben mich stark geprägt. Man musste zügig Geschäftsmodelle verändern, weil plötzlich mit den Aktienkursen auch die Erträge wegbrachen. Und die plötzliche Nachfrage nach Absolute-Return-Konzepten bedingte ja auch Veränderungen im Portfolio-Management und im Vertrieb. Gerade in so schwierigen Phasen lernen Sie sehr viel.


dpn: Mit so viel Erfahrung auf dem Buckel haben Sie sicherlich auch Interesse, die Nachfolge von Dr. Ginsberg anzutreten?


Schindler:
Die Frage stellt sich für mich nicht. Meine Aufgabe hier motiviert mich, denn ich verantworte anders als bei Oppenheim nicht nur das institutionelle Geschäft, sondern auch das Portfolio-Management. Mein Berufsleben ist wirklich voll ausgefüllt.


dpn: Welcher andere Job könnte Sie denn noch reizen?


Schindler:
Einer bei einem nationalen oder internationalen Anleger, also auf der anderen Seite.


dpn: Bei deutlichen Gehaltseinbußen?


Schindler:
Das wäre für mich zweitrangig.


dpn: Union Investment vernetzt sich offensichtlich recht stark in der Wissenschaft, Sie unterhalten einen Stiftungslehrstuhl an der European Business School und eine Stiftungsprofessur an der Steinbeis Hochschule Berlin. Wieso?


Schindler:
Es geht darum, unsere Prozesse ständig zu überprüfen und weiterzuentwickeln. Außerdem ist für uns wichtig, mit jungen Akademikern frühzeitig zusammenzuarbeiten und so künftige Mitarbeiter zu identifizieren. In einzelnen Produktkonzeptionen arbeiten wir aber durchaus auch mit anderen Lehrstühlen wie zum Beispiel hier in Frankfurt oder auch in Münster zusammen.


dpn: Was war denn Ihre jüngste nützliche Anregung aus der Wissenschaft?


Schindler:
Die kam von Professor Henry Schäfer von der Universität Stuttgart, einem der führenden Experten für nachhaltige Kapitalanlage in Deutschland. Die wichtigste Erkenntnis ist, dass mit nachhaltigem Investment eben nicht per se automatisch höhere Renditen erzielt werden. Diese Erkenntnis ist für uns wichtig, da wir das Thema künftig verstärkt mit Produkten besetzen werden. Wir verwalten schon über eine Milliarde in ethischen Investments, insbesondere für kirchliche Einrichtungen.


dpn: Wenn das die Erkenntnis ist, wieso ist das Thema dann überhaupt noch für Sie interessant?


Schindler:
Ein Asset Manager muss sich sehr genau überlegen, wie er die Ergebnisse des Nachhaltigkeits-Researchs konkret umsetzt. Es gibt dann einen Mehrwert, wenn Sie den Nachhaltigkeitsfilter durch eigene fundamentale Analyse der Unternehmen des Nachhaltigkeitsuniversums ergänzen und aktiv Aktien oder Anleihen auswählen. Einfach passiv in einen Nachhaltigkeitsindex zu investieren, bringt keinen Zusatznutzen.


dpn: Wer liefert Ihnen denn das Nachhaltigkeits-Research?


Schindler:
Eine Reihe von Institutionen, weil viele unserer Investoren auch ein großes Interesse daran haben, sich hier selbst mit einzubringen. Wir arbeiten beispielsweise mit Imug aus Hannover, mit ECP aus Mailand und mit anderen wie SAM. Wir nutzen deren Research, überlagern das aber mit unserem fundamentalen Research.


dpn: Welches Fachbuch über Asset Management können Sie wärmstens empfehlen?


Schindler:
Das Buch Liquidity Black Holes von Professor Avinash Persaud. Er untersucht, wie sich temporäre Illiquidität in Kapitalmarkt-Segmenten im Rahmen des Risikomanagements erfassen lässt. Vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen im Subprime-Hypotheken-Segment und seinen Auswirkungen ist das auch ein ganz aktuelles Thema.


dpn: Werden Investoren irgendwann einmal ihre Anlagen nach dem Kriterium Liquidität organisieren?


Schindler:
In Investment-Prozessen wird Liquidität als Kriterium beim Screening selbstverständlich bereits einbezogen. Alleine die Veränderung des Aufsichtsrechts zwingt den institutionellen Investor ja auch dazu, auf Risikomanagement und Risikotreiber zu achten, darunter auch auf die Liquidität.


dpn: Wer so viel aus der Wissenschaft zieht, sollte ihr auch etwas wiedergeben: Formulieren Sie für uns doch bitte das erste Schindler’sche Gesetz des Asset Managements?


Schindler:
Erstens: Jede Form der Kapitalanlage ist zwingend mit Risiko, aber auch mit Chancen verbunden. Zweitens: Mit steigenden Renditeerwartungen steigt auch das Risiko, das Sie akzeptieren müssen. Drittens: Dem kann man nur begegnen durch eine breite Streuung der Kapitalanlagen.


dpn: Und wie finden Sie: Small is beautiful?


Schindler:
Für Union Investment nicht gut. Größe hat auch seine Vorteile. Unser Auftrag verlangt einen breiten Produkt- und Know-how-Baukasten; allerdings kann man sich externes Wissen durchaus auch einkaufen, wie wir zum Beispiel von Unigestion, Partners Group oder Zais Group. Bei der Auswahl der Partner würde ich Ihr Gesetz schon eher anwenden.


dpn: Ich muss Sie enttäuschen: Das Gesetz stammt nicht von mir, sondern von einem Consultant.


Schindler:
Na, dann liege ich mit meiner Aussage eben doch gar nicht so schlecht.


dpn: An welchen neuen Produkten arbeiten Sie derzeit?


Schindler:
Das künftige Investmentrecht wird uns ja einen noch breiteren Rahmen zur Verfügung stellen, so dass wir neue Produkte wie Portable Alpha, Nachhaltigkeits-Investments, oder reine Derivateprodukte bringen werden. Um Portable Alpha anbieten zu können, brauchen Sie stabile Alphas, und die haben wir identifiziert – derzeit sind das fünf unserer Aktienstrategien.


dpn: Wie reagieren Kunden, wenn Sie mit einem erklärungsbedürftigen Produkt wie Portable Alpha vorstellig werden?


Schindler:
Positiver, als ich dachte. Es ist ganz offensichtlich ein Thema, das viele Institutionelle bewegt. Die Nachfrage nach Portable Alpha steigt, weil es gilt, marktunabhängige Ertragsquellen zu erschließen, das heißt, Geldmarkt mit isoliertem Alpha zu ergänzen; das Alpha beträgt 200 bis 300 Basispunkte über dem Geldmarkt, abhängig von der Strategie. Wir werden die Palette in den nächsten zwei Jahren weiter ausbauen.


dpn: Hat Union PanAgora Sie als Mutterhaus gemessen am Nettoabsatz bereits abgehängt? Die Nachfrage nach Quant-Ansätzen ist ja immens ...


Schindler:
Im ersten Halbjahr hat Union PanAgora etwa ein Viertel des Gesamtabsatzes beigesteuert. Union PanAgora verwaltet mittlerweile 12,1 Milliarden Euro; die Union Investment kommt damit im institutionellen Geschäft auf insgesamt 75 Milliarden Euro.


dpn: Worüber unterhalten wir beide uns in fünf Jahren?


Schindler:
Hoffentlich darüber, dass wir auch international stark gewachsen sind, und zwar zunächst in Kontinentaleuropa, dann jenseits Europas. Wir werden uns nicht nur über internationale Kundenbetreuung unterhalten, sondern auch über internationale Produktion.

Wir wollen vor allem in Asien Fuß fassen, dafür wird Hongkong unser Kompetenzzentrum. Dort sitzt seit Kurzem unser Joint Venture mit der Bank of East Asia – BEA Union Investment. Auch dort werden künftig asiatische Titel gemanagt, und zwar auch für Kunden in Europa und Deutschland. In nicht allzu ferner Zukunft kann man aber auch einen Union-Fonds in Hongkong und in China kaufen.


dpn: Und Sie glauben, asiatische Anleger haben ausgerechnet auf die Union Investment gewartet?


Schindler:
Ich behaupte, dass wir in spezifischen Kompetenzen international höchst wettbewerbsfähig sind, sei es über Union PanAgora oder im Rentenmanagement, bei Wandel- und Unternehmensanleihen. Ich war jüngst auch häufiger in Asien, und die Gespräche mit asiatischen Investoren haben mir gezeigt, dass uns die Nachfrage nach Investitionen in Europa, getrieben durch die notwendige Diversifikation aus dem Dollar in andere Währungen, in den nächsten Jahren noch eine immense Nachfrage bescheren wird. Da wollen wir dabei sein.

Und dazu kommt: In Asien wie auch beispielsweise bei den großen Investoren aus der Golf-Region sind deutsche Anbieter sehr akzeptiert, auch aufgrund des guten Rufes der deutschen Industrie. Die vergeben nicht alle Mandate an angelsächsische Asset Manager.


dpn: Zu Beginn unseres Gesprächs haben Sie erwähnt, dass fast alle Neukunden in diesem Jahr keine Genossen sind. Wieso konnten Sie dort so schnell zulegen?


Schindler:
Anfang 2004, als wir unsere Aktivität weiter forciert haben, war die Situation so: Aufgrund unserer Herkunft sind wir sowohl mit den Risikoanforderungen für Kreditinstitute, den MaRisk, als auch mit Absolute-Return-Konzepten vertraut. Die Investment-Welt lag in Asche, viele Investoren haben danach ihre Kapitalanlagen ganz neu strukturiert, und für diese Investoren waren wir ein völlig neuer Anbieter, der das bot, was gefragt war. Und um uns zu entwickeln, war eines besonders wichtig: Wir hatten ein stabiles Aktionärsumfeld und damit die entscheidende institutionelle Ruhe.


dpn: Aber wer zu viel Ruhe hat, wird träge. Oder?


Schindler:
Nein! Träge wird, wer satt ist. Das sind wir nicht. Wir müssen noch erhebliche Potenziale erschließen bei Versicherern und Unternehmen. Solvency II wird neue Anforderungen an die Kapitalanlagen der Versicherer stellen. Da sehen wir Ansatzpunkte, gerade auch durch unsere Risikomanagement-Fokussierung und -Philosophie; schließlich wissen wir mittlerweile auch, welche Schwächen Risikomanagement-Systeme haben – und dieses Wissen ist fast noch wertvoller.


dpn: Solvency II ist auch ein Grund, weshalb die Bafin die Anlageverordnung gerade neu geschrieben hat. Wie wird sich das auswirken?


Schindler:
Die Aufsicht hat erkannt, dass sie bei der Komplexität der Märkte und Instrumente gar nicht in der Lage ist, zeitnah alles mitzuverfolgen und den Anlegern auch gestaltend Hinweise zu geben. Natürlich kann man sagen, es sind nur Quoten erhöht worden, die man sowieso noch nicht ausgenutzt hat. Aber es bewirkt mehr, nämlich die stärkere Akzentuierung der Investoren auf Risikomanagement. Die Versicherer stehen vor der gleichen Entwicklung wie die Finanzinstitute, als die MaRisk eingeführt wurden.


dpn: Im internationalen Vergleich investieren deutsche Investoren ziemlich wenig passiv. Das dürfte genau Ihren Geschmack treffen, oder?


Schindler:
Es geht nicht um die Frage, ob aktiv oder passiv investiert wird. Wichtig ist, wie man am besten die Zielrendite erreicht. Wer passiv investiert, muss das mit seinem Risikobudget vereinbaren können. Viele deutsche Investoren sind aber nun einmal gezwungen, jährlich absolute positive Renditen zu erzielen. Also muss die Anlagestruktur auch ganz anders sein. Dass man Kern-Investments passiv abdecken kann, bestreite ich gar nicht; aber solche Investoren brauchen Zusatzerträge, also Alpha.


dpn: Okay. Aber das brauchen US-Anleger auch, trotzdem decken sie mehr Anlagen passiv ab. Wer ist nun weiter, Deutschland oder die USA?


Schindler:
Jeder Markt ist anders, und deshalb bieten die Anbieter auch andere Konzepte an. Es ist nicht so wichtig, ob ich etwas besser oder schlechter abschneide als der Dax. Viel wichtiger ist, inwieweit sich das Dax-Investment in eine risikoadjustierte Asset Allocation einfügt. Mag sein, dass dies für einen angelsächsischen Investor anders ist; vielleicht ist es das aber auch nur deshalb, weil diese Investoren bereits viel früher und länger in die risikotragenden und damit hoffentlich auch renditetragenden Anlagen investiert waren. Dadurch sitzen sie auf ganz anderen Reserven. Das Fazit: Hier herrscht aus gutem Grund der Absolute-Return-Gedanke. Und nicht nur hier – hören Sie sich einmal in China oder Hongkong um!


dpn: Hatten Sie da Ihr letztes Aha-Erlebnis?


Schindler:
Nein, es hat aber durchaus auch mit Asien zu tun, wie mit anderen ehemaligen Entwicklungs- oder Schwellenländern, zum Beispiel Südafrika, Russland und solche in Lateinamerika: Es ist kaum zu glauben, welche immensen Devisenreserven diese Länder aufgrund ihres Rohstoff-Reichtums angehäuft haben. Diese Länder werden in Zukunft stärker auf unseren Kapitalmärkten auftreten – und zwar mit teilweise ganz anderen Anlagezielen als denen eines deutschen Institutionellen. Für einen chinesischen Anleger ist es beispielsweise entscheidend, das Geld überhaupt unterzubringen. Andere Motive sind, sich unternehmerisches Know-how über Aktien-Direktinvestitionen oder über Fonds zu sichern oder aber eine Volkswirtschaft zu stützen, die man als Absatzmarkt benötigt. Da gelten ganz andere Spielregeln als für einen renditegetriebenen deutschen Institutionellen, der seine Verbindlichkeiten abzudecken hat. Das impliziert für das Portfolio-Management und die Fundamentalanalyse ganz neue Herausforderungen.


dpn: Jetzt kommt unser gemeinsames Aha-Erlebnis: Welche Frage hat Ihnen noch nie ein Journalist gestellt?


Schindler:
Was können angelsächsische von kontinentaleuropäischen Asset Managern lernen?


dpn: Der Wettbewerb deutscher mit angelsächsischen Managern scheint Sie sehr zu beschäftigen. Wie würden Sie Ihre Frage beantworten?


Schindler:
Wie man in einem Absolute-Return-Umfeld agiert. Wir in Kontinentaleuropa und speziell hier in Deutschland wissen darüber nach meiner festen Überzeugung sehr viel mehr. Und darüber werden wir uns noch sehr freuen.

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