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So richtig nachhaltig
Von Marco Lenfers, Sarasin Wertpapierhandelsbank AG, München

Veröffentlicht am:  04. September 2007

Nachhaltige Themen haben Hochkonjunktur, nicht zuletzt dank der in den letzten Monaten intensiv geführten Klimadebatte. Anlegern, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, bietet ein nachhaltiger Themenansatz überdurchschnittliches Renditepotenzial, ohne die Portfolio-Diversifikation zu vernachlässigen.

Es vergeht kaum ein Tag ohne neue, besorgniserregende Schlagzeilen über den Klimawandel und seine möglichen Folgen. Kaum verwunderlich, dass mittlerweile auch traditionelle Asset Manager versuchen, den Trend kurzfristig für sich zu nutzen, und Klimawandel-Produkte lancieren. Wer sich nachhaltigen Themen hingegen systematisch nähert, identifiziert neben dem globalen Temperaturanstieg weitere grundlegende Trends, die die Entwicklung in den nächsten Jahren maßgeblich bestimmen werden. Prominente Beispiele sind der Wassermangel in vielen Teilen der Welt oder eine zunehmende Sensibilität von Verbrauchern bei Nahrungsmitteln. Für innovative Unternehmen bieten sich hier attraktive Chancen. Und damit auch für deren Anleger. Mit einem nachhaltigen Themenansatz lassen sich Megatrends frühzeitig identifizieren und die Werttreiber einer nachhaltigen Entwicklung systematisch in eine attraktive Rendite umwandeln. Die geschickte Kombination unterschiedlicher Trends zu einem nachhaltigen Themenansatz bietet darüber hinaus den Vorteil einer breiten Diversifikation innerhalb des Portfolios.


Frühzeitig auf die richtigen Themen setzen


Der teurer und knapper werdende Rohstoff Öl ist Schmierstoff unserer Welt, sein Preisanstieg wirkt jedoch wie Sand im Getriebe. Und bei anderen fossilen Brennstoffen ist die Entwicklung ähnlich. In Zeiten knapper Ressourcen ist zukunftsfähiges Wirtschaften daher zwingend erforderlich, denn der ökonomische Erfolg von Unternehmen ist zunehmend davon abhängig, wie sorgfältig mit Ressourcen umgegangen und die Entwicklung neuer Technologien vorangetrieben wird. Zusätzlichen Druck erzeugen Eingriffe der Politik wie Vorgaben zur Reduktion von CO2-Emissionen. So ist beispielsweise ge-plant, bei Neuwagen den Ausstoß von Kohlendioxid bis 2012 auf 120 Gramm pro Kilometer zu begrenzen und gleichzeitig den Anteil von beigemischten Biokraftstoffen bis 2020 um 20 Prozent zu erhöhen. Anleger können hiervon auf unterschiedlichen Ebenen profitieren. Besonders chancenreich sind Investments in Lösungsanbieter, die innovative Technologien, Prozesse und Materialien entwickeln, wie zum Beispiel das spanische Unternehmen Abengoa, das der größte europäische Hersteller von Bioethanol ist. Ebenso aussichtsreich sind Investments in Unternehmen, die vom Aufbau zusätzlicher Kapazitäten im Bereich Erneuerbare Energien profitieren. Allein die Kapazität von Anlagen zur Windkraft-Erzeugung wird sich bis 2010 fast verdoppeln (vergleiche dazu Abbildung 1). Ein stabiler Wachstumstrend, von dem Windturbinen-Hersteller wie Vestas besonders profitieren.

Doch neben der Substitution von fossilen Brennstoffen spielt auch der effiziente Umgang mit Ressourcen eine entscheidende Rolle. Unternehmen, die solche Lösungen anbieten, sind daher ebenfalls überdurchschnittlich erfolgreich. So verzeichnet der Großküchen-Spezialist Rational eine immense Nachfrage nach seiner Gartechnologie, deren Einsatz 60 Prozent weniger Energie und 40 Prozent weniger Wasser verbraucht als traditionelle Geräte. Neben den Lösungsanbietern gibt es aber auch Unternehmen, die eher indirekt von knapper werdenden Ressourcen profitieren und damit Gewinner der Entwicklung sind. Hierbei handelt es sich um Unternehmen, deren Produkte stärker nachgefragt werden. Ebenso zu den Gewinnern gehören Unternehmen, die im Vergleich zu ihren Wettbewerbern besonders gut mit den branchenspezifischen Voraussetzungen umgehen und durch den Einsatz energieeffizienter Technologien ihre Kosten reduzieren. Die Herstellung von Papier benötigt beispielsweise viel Energie. Einsparpotenzial bieten natürliche Produktionsrückstände, die sich als Biobrennstoffe nutzen lassen. Das Unternehmen SCA nimmt hier mit einem Biobrennstoff-Anteil von rund 40 Prozent eine Vorreiterrolle ein. Allerdings lassen sich auch Verlierer identifizieren, die es gezielt zu vermeiden gilt. Das sind zum einen Unternehmen mit geringer Energieeffizienz und hohem Verbrauch, die Einsparpotenziale ungenutzt lassen. Zum anderen sind es aber auch Produzenten von Gütern, die aufgrund des hohen Energieverbrauches ihrer Produkte eine geringere Nachfrage verzeichnen. In der Flotte des Automobil-Herstellers Ford finden sich beispielsweise viele Fahrzeuge mit einem überdurchschnittlichen Verbrauch, was vor dem Hintergrund der hohen Benzinpreise für Absatzprobleme sorgt. Die Beispiele zeigen, wie institutionelle Investoren vom Risiko knapper werdender Ressourcen profitieren können. Neben dem Thema Energie existieren weitere langfristige Trends, die sich durch eine systematische Analyse der sozialen und ökologischen Perspektiven von Unternehmen, Technologien und Prozessen gezielt identifizieren und nach Themen sowie Lösungsanbietern, Gewinnern und Verlierern untergliedern lassen (vergleiche dazu Abbildung 2).


Vom Thema zum Portfolio


Die attraktivsten Titel werden in einem mehrstufigen Prozess ausgewählt. Zunächst erfolgt eine zweidimensionale Analyse der Nachhaltigkeit (vergleiche dazu auch Abbildung 3). Die Position eines Unternehmens wird im ersten Schritt durch das Chancen- und Risikoprofil der jeweiligen Branche bestimmt. Die verschiedenen Branchen werden dabei in Relation zueinander gesetzt, was eine differenzierte Beurteilung der einzelnen Unternehmen in ihrem spezifischen Umfeld erlaubt. Im zweiten Schritt wird bewertet, wie gut ein Unternehmen mit den branchenspezifischen Chancen und Risiken umgeht. Das Resultat ist eine Rangordnung aller untersuchten Unternehmen innerhalb einer Branche. Als Investment-Universum steht nur der grau unterlegte Teil der Matrix zur Verfügung. Damit erhöht sich die Eintrittsbarriere für Unternehmen aus risikoreicheren Branchen und sinkt für Unternehmen aus risikoarmen Branchen. Die Verlierer einer nachhaltigen Entwicklung werden auf diese Weise bereits konsequent im ersten Schritt der Analyse aus dem Anlageuniversum ausgeschlossen.

Im Universum der Unternehmen, die sich über den Matrixansatz für ein Investment grundsätzlich qualifiziert haben, werden anschließend die Lösungsanbieter und Gewinner der einzelnen Themen ermittelt. Diese werden in einem dritten Schritt einer eingehenden finanziellen Analyse unterzogen. Investiert wird letztlich – unabhängig von ihrer Zugehörigkeit zu einer Benchmark beziehungsweise ihrem Benchmark-Gewicht – in die global 40 bis 70 attraktivsten Unternehmen.


Risiken gezielt kontrollieren


Durch die geschickte Kombination von Themen und Unternehmen mit unterschiedlichen Chancen- und Risikoprofilen lassen sich Diversifikationseffekte nutzen und Risiken konsequent reduzieren. Die strategische Gewichtung der einzelnen Themen ist dabei von unterschiedlichen Faktoren abhängig. Die relative Attraktivität eines Themas hängt davon ab, wie signifikant die Auswirkungen der Nachhaltigkeitsrisiken sind und wie groß das Wachstumspotenzial möglicher Lösungen einzuschätzen ist. Um einen Zusatznutzen zu generieren, dürfen die einzelnen Themen zudem nicht zu stark miteinander korreliert sein. Der Beitrag eines Themas zur Portfolio-Volatilität ist daher von entscheidender Bedeutung. Wichtige Entscheidungsparameter sind darüber hinaus die Anzahl der verfügbaren Aktien, deren Marktkapitalisierung und Handelbarkeit sowie die Reife und die Qualität der Unternehmen. Lösungsanbieter und Gewinner weisen dabei unterschiedliche Charakteristika auf, die es im Rahmen der Portfolio-Konstruktion zu nutzen gilt. Lösungsanbieter agieren in neuen Märkten und entwickeln innovative Technologien. Sie bieten damit erhebliches Renditepotenzial, bewegen sich aber in einem risikoreicheren Umfeld, denn häufig ist nicht bekannt, welche Innovation sich am Ende durchsetzen wird. Zwischen den einzelnen Lösungsanbietern besteht daher eine starke Konkurrenzsituation. Die Unternehmen agieren zudem häufig in einem von der Politik beeinflussten Umfeld. Die Abhängigkeit von Subventionen ist hierfür nur ein Beispiel. Politische Meinungen können sich schnell ändern, heute positiv bewertete Ansätze werden morgen möglicherweise nicht mehr gefördert oder Subventionstöpfe halten der Nachfrage nicht stand, was eine Regeländerung für die Verteilung der Mittel zur Folge haben kann. Darüber hinaus handelt es sich bei innovativen Lösungsanbietern oftmals auch um kleinere Unternehmen, deren Geschäftsmodelle noch nicht vollständig ausgereift sind.

Die Gewinner sind hingegen häufig bereits etablierte Unternehmen, bei denen die Bewertung ihrer Geschäftsmodelle mit weniger Unsicherheit behaftet ist. Das Renditepotenzial ist zwar geringer, aufgrund der nachhaltigen Ausrichtung der Unternehmen aber sehr attraktiv. Erst die richtige Mischung von Themen, Gewinnern und Lösungsanbietern führt daher zu einem ausgewogenen Chance- und Risikoverhältnis im Portfolio und nutzt Diversifikationseffekte konsequent.


Die Vorteile liegen auf der Hand


Ein Themenansatz identifiziert systematisch die attraktivsten Werttreiber einer nachhaltigen Entwicklung und bietet überdurchschnittliche Renditechancen. Die Identifikation interessanter Unternehmen, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einer Benchmark, ist Kern des Investment-Ansatzes und liefert zusätzliche Diversifikationsmöglichkeiten bei der Portfolio-Bildung.

Damit eignet sich die Strategie auch im Rahmen eines Core-Satellite-Ansatzes, den viele institutionelle Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungswerke verfolgen.


In Zusammenarbeit mit: Sarasin

ANSPRECHPARTNER

Marco Lenfers, CFA
Director, Institutional Clients

Sarasin Wertpapierhandelsbank AG
Friedrichstraße 9
D-80801 München

Tel.: + 49 (0) 89 33 99 74 - 41
E-Mail: marco.lenfers@sarasin.de

www.sarasin.de

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