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Gastkommentar – Michael Montag

Veröffentlicht am:  02. Juli 2007

Da Anleger Aktienmärkte mit hohen Steigerungsraten lieben und immer auf der Suche nach neuen Erfolgsgeschichten sind, war es nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Runde von Emerging-Markets-Aktienanlagen eingeläutet werden würde.

Nach der Kreation der fast schon legendären Bezeichnung „Bric” machen nun die „Next 11” die Runde. Es handelt sich dabei um elf weitere Schwellenländer, welche angeblich gute Aussichten hätten, zukünftig eine bedeutende Rolle in der Weltwirtschaft zu spielen und bis zum Jahr 2050 zu prosperierenden Industrienationen heranzuwachsen. Jedem dieser Länder wird ein Anteil von drei Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes zugetraut.

Die Next 11 sind Länder mit einer jungen Bevölkerung, teils rohstoffreich, aber immer aufstrebend, womit auch schon die Liste der Gemeinsamkeiten erschöpft ist. Es sind dies im Fernen Osten Bangladesch, Indonesien, Pakistan, die Philippinen, Südkorea und Vietnam. Die anderen – Ägypten, Iran, Mexiko, Nigeria und die Türkei – sind breit über den Planeten verstreut. Es steckt eine ganze Menge Hoffnung und noch mehr Spekulation in diesen noch jungen Volkswirtschaften.

Was sollte also einen Anleger dazu veranlassen, heute in den Iran zu investieren? Auch Bangladesch oder Nigeria stehen auf einer internationalen Bonitätsliste nicht gerade ganz oben. Vietnam gilt mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 30 bereits als „heiß“ gelaufen, verzeichnet aber nach China das höchste Wirtschaftswachstum weltweit.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in den Bric-Staaten soll bis zum Jahr 2025 um 43 Prozent zulegen. Den Next 11 wird sogar ein Zuwachs von über 50 Prozent zugetraut. Die führenden Industrienationen sollen es dagegen gerade einmal auf ein Plus von zwölf Prozent bringen.

Zu bedenken wäre an dieser Stelle, dass sich Wirtschaftswachstum nicht notwendigerweise in einem Wertzuwachs von Aktienanlagen niederschlagen muss, sondern von anderen Faktoren wie der politischen Stabilität oder einem freien Kapitalverkehr überlagert werden kann, wie man in der Vergangenheit schon des Öfteren erfahren durfte. Auch stellt sich die Frage, was ist wirklich neu an diesem Next 11-Konzept im direkten Vergleich zu traditionell verwalteten globalen Emerging-Markets-Mandaten? Nicht viel, wenn man Anlagen im Iran und in Nigeria außer Acht lässt!

Michael Montag
Pictet & Cie (Europe) S.A.
Leiter Asset Management Deutschland

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