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Mezzanine: Anbieter bekämpfen Missstände

Veröffentlicht am:  25. Juni 2007
— Michael Auracher, HSBC Trinkaus und Burkhardt, Leiter Structured Solutions Group

Golding Capital Partners glaubt an Mezzanine-Kapital, den Zwitter aus Eigen- und Fremdkapital. Die Gründe hierfür: eine vergleichsweise risikoarme Alternative zu klassischen Private-Equity-Investitionen, eine laut Golding Capital Partners geringe Ausfallquote von weniger als zwei Prozent, eine niedrige Korrelation zu klassischen Asset-Klassen sowie laufende Zinszahlungen.

Zwitter mit Stärken

Eine Einschätzung, die rund 30 institutionelle Investoren, davon 19 Sparkassen, teilen und deswegen rund 385 Millionen Euro Eigenkapital im „Mezzanine-Dachfonds Sicav III“ zeichneten. Ein Produkt, dass zusammen mit der HSH Nordbank entwickelt wurde, aktuell geschlossen und bei dem etwa 50 Prozent des Volumens bereits in 17 Zielfonds und über 100 Einzeltransaktionen allokiert sind. „Vor allem Sparkassen, aber auch Versicherungen und Versorgungswerke wollen regelmäßige und kalkulierbare Rückflüsse“, sagt Hubertus Theile-Ochel, Partner bei Golding Capital Partners, und verweist gleichzeitig auf ein Handicap herkömmlicher Mezzanine- und Private-Equity-Investitionen, den J-Kurven-Effekt; das heißt, die ersten realen Ausschüttungen gibt es erst einige Jahre nach der Investition. Gleichwohl, ein Problem, das auch lösbar ist, beispielsweise zahlt die HSH Nordbank eine Vorzugsrendite in Höhe von fünf Prozent in den ersten fünf Jahren auf das gebundene Kapital, eine Vorzugsrendite, die dann aus den späteren Jahresüberschüssen zurückgeführt wird. „Sicherlich muss man sich über die Risiken einer Mezzanine-Investition im Klaren sein. Gleichwohl, Risiken gibt es auch beispielsweise bei Langläufern, diese werden nur häufig unterschätzt“, erklärt etwa Dr. Wolfgang Thöle, Geschäftsführer der 800 Millionen Euro schweren Ärzteversorgung Thüringen, und betont deswegen die Notwendigkeit eines erfahrenen Managements. Die Ärzteversorgung investiert derzeit rund fünf Millionen Euro in Mezzanine-Kapital, ein Betrag, der durchaus auf ein Prozent der Asset Allocation aufgestockt werden könnte.

Es gibt auch Ausfälle

Andere Marktteilnehmer sind hingegen mittlerweile durchaus skeptischer geworden und verweisen beispielsweise darauf, dass ein Mangel an Risikostreuung zu Pleiten ganzer Programme oder zu herben Rückschlägen führen kann, da im Falle einer Insolvenz Mezzanine-Kapital nachrangig eingestuft wird, mit der Folge, dass die Geldgeber ganz hinten in der Schlange der Gläubiger stehen. Zu nennen ist laut FHP Private Equity Consultants beispielsweise die Insolvenz der Nici AG im Mai des vergangenen Jahres, von der insgesamt vier Mezzanine-Programme (CB Mezzacap, Equinotes 1, Preps I und II) mit insgesamt 40 Millionen Euro Verlust betroffen waren. Auch das standardisierte Programm Heat Mezzanine I der HSBC Trinkaus und Burkhardt musste durch den insolventen IT-Distributer Krystaltec Lynx einen Rückschlag von drei Millionen Euro hinnehmen.

Gleichwohl, „die Mezzanine-Geber in Deutschland haben mit ihren Programmen mittlerweile rund 700 Unternehmen mit einem Volumen von insgesamt fünf Milliarden Euro finanziert und müssen nun fünf Ausfälle verkraften, bei denen mindestens drei davon Betrugsfälle sind, also Ausfälle, die sowieso nicht verhindern hätte können. Wenn man die Höhe der Ausfälle mit dem vergebenen Volumen vergleicht oder die Anzahl der betroffenen Unternehmen mit der Gesamtanzahl der Unternehmen, liegen die Prozentsätze im niedrigen einstelligen Bereich und sind nahezu absolut vernachlässigbar“, sagt Michael Auracher, Leiter der Structured Solutions Group bei HSBC Trinkaus und Burkhardt, weist jedoch gleichzeitig auch auf aktuelle Missstände hin. So gab es etwa in der Vergangenheit Fälle, bei denen sich Unternehmen gleich aus mehreren Mezzanine-Programmen bedienten.

Härteres Auswahlverfahren

„So etwas kommt bei uns nicht mehr vor. Wir haben daraus unsere Konsequenzen gezogen und einiges deutlich geändert“, erklärt Auracher weiter und erläutert den verbesserten Maßnahmenkatalog im Hause HSBC Trinkaus und Burkhardt. So sei das Auswahlverfahren noch einmal härter geworden, sprich bei Unternehmen, die nicht der absolut höchsten Bonitätsstufe angehören, führe die Kreditreform eine eintägige Due-Diligence-Prüfung durch, gleichzeitig wurde das Monitoring erhöht, das heißt, die Bank erhält nun vierteljährlich ein standardisiertes Reporting von den Unternehmen, welches neben den reinen Bilanzkennziffern auch qualitative Kriterien wie die Kunden-, Lieferanten- und Management-Struktur abfragt. „Zudem müssen die Portfolios hinreichend groß gehalten werden, da sonst die Investoren nicht mehr investieren“, sagt Auracher. Als Zielgröße nennt Auracher eine Größe von 300 Millionen Euro und mehr, das Gleiche gelte übrigens auch für die Anzahl der Unternehmen, auch hier seien aus Diversifikationsgründen mindestens 50 Unternehmen und mehr vonnöten. Auch ein Missstand der Vergangenheit, aus dem man gelernt hätte, denn Programme mit nur 30 Unternehmen bieten einfach eine zu geringe Diversifikation. ML

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