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Consulting in Deutschland nach Schweizer Art Von Eckhard Bergmann


Veröffentlicht am:  03. Mai 2007
— Joachim Meyer, Complementa Investment-Controlling AG, Vorstand

„Wer hat’s erfunden?“ Wer die Antwort: „Die Schweizer“ verneint, muss gute Argumente haben. Denn die Kernkompetenzen Investment-Controlling und Informationsversorgung hat sich Complementa schon lange auf die Fahnen geschrieben. Und mit einem Referenzkunden wie EnBW könnte das Rezept auch in Deutschland aufgehen.

Was in der Schweiz Erfolg hat, wird auch in Deutschland ankommen – nach dieser Maxime nimmt der Schweizer Consultant-Primus seit 2006 auch hierzulande Fahrt auf; sein Renommierkunde, EnBW, wurde im März bei den portfolio institutionell-Awards zum besten Corporate Investor in Deutschland gewählt. Beauty Contests für einzelne Projekte – Asset-Liability-Studien oder Manager-Selektionen – sind nicht das Ziel, sondern ein ganzheitlicher Beratungsansatz. Der Kontrapunkt zum angelsächsischen Beratungskonzept könnte nicht deutlicher sein. „Aber“, so das geschäftspolitische Fazit, „die Chemie zwischen Schweiz und Deutschland stimmt einfach besser.“


Konträre Philosophien


Vive la différence: Auf der einen Seite die Bad Sodener alpha portfolio advisors und andere, die „nur das beraten, was wirklich Mehrwert bringt“ – also Manager-Auswahl und strategische Asset Allocation, aber nicht Reporting und Investment-Controlling, „die der Kunde auch selbst machen kann.” Genau konträr dazu der Complementa-Ansatz, der eben diesen vermeintlichen Nonvaleur zum Ausgangspunkt seines ganzheitlichen Beratungskonzepts macht. Mit dieser Philosophie kommt man am ehesten dem Ansatz von RMC nahe. „Wir pitchen nicht mit einzelnen Beratungsprojekten, also etwa für eine Asset-Liability-Studie oder eine Manager-Selektion“, erläutert Joachim Meyer, der deutsche Complementa-Chef. Da ist man sich mit RMC einig. „Unser Kerngeschäft ist Information und Controlling. Das ist der Ausgangspunkt für die weitere Betreuung.“


Schweizerisch-deutsche Chemie stimmt


Dabei war die Idee des Vorläufers, der institutionellen Sparte der 1993 gegründeten FondsConsult, zunächst eine ganz andere, nämlich eben die Manager-Auswahl. Speziell 1997 bis 2000 erwies es sich aber als sehr schwer, das einem deutschen Investor schmackhaft zu machen. Deshalb wurde die damalige Partnersuche auf einen breiteren – ganzheitlichen – Beratungsansatz ausgerichtet. Zwar wurden auch Gespräche in London geführt, aber man habe dann doch schnell gemerkt, dass die Chemie zwischen Schweiz und Deutschland besser stimmt. Daraus erwuchs im Februar 2003 zunächst die FondsConsult Institutional GmbH als Joint Venture, ehe die Schweizer Complementa die gemeinsame Gesellschaft übernahm und nun seit Anfang 2006 auch unter eigenem Namen – Complementa Investment-Controlling AG mit Sitz in München – im deutschen Consultant-Geschäft tätig ist. Meyer hat dabei nur das Trikot gewechselt. Der Arbeitsbereich ist praktisch derselbe geblieben, so dass er seine bisherige Marktkenntnis ebenso einbringen konnte wie seine frühere Erfahrung als Spezialfonds-Manager.


Fit durch die Trennung von Consulting und Controlling …


Die Trennung von Consulting und Controlling ist folglich eines der Top-Themen, mit denen der Schweizer Consultant deutsche Investoren fit machen will. Das Credo lautet: Der Berater, der die Strategie und die Manager-Auswahl macht, soll sich am Jahresende nicht auch noch selbst auf die Schulter klopfen. Vielmehr soll das Controlling unabhängig erfolgen und mehr als nur Datenlieferung sein. EnBW ist der Kronzeuge für den Erfolg des Konzeptes.

Welchen Stellenwert diese Informationsfunktion hat, lässt sich an der Aufstellung in der Schweiz ablesen: Bei einer Mannschaftsstärke von 100 Complementa-Mitarbeitern sind 30 Personen einzig und allein mit dem Thema Informationsversorgung betraut.

Die Hauptkonkurrenz für dieses Modul – und insofern scheinen alpha portfolio advisors Recht zu haben – sind eher die Investoren selbst, nicht andere Consultants. Adressen wie Prof. Lepelmeiers Nordrheinische Ärzteversorgung (NAEV), die Informationen über ihre Kapitalanlagen intern selbst aufbereiten wollen, sind aktuell keine Zielgruppe für diese Dienstleistung. Dennoch sieht Meyer konkret großes Nachfragepotenzial bei Vorsorgeeinrichtungen und Stiftungen, die nicht über die Organisationsgröße verfügen, um es selbst zu machen, sowie – man soll es kaum glauben – in zunehmendem Maße bei Corporates. Indessen konzediert er auch, dass „wir hier Bedarf wecken müssen“.


… und mehr Pension Fund Governance


Das gilt mindestens genauso für Teil zwei des Fitness-Programms, die häufig vernachlässigte Pension Fund Governance. Hier möchte Complementa verstärkt die Werbetrommel rühren, denn die wenigsten Investoren werden bei diesem Thema selbst aktiv. Daneben wird auch ein Buch über Pension Fund Governance aufgelegt, das in Kürze erscheinen soll. Ein Mit-Autor: Konzernchef Michael Brandenberger, Sohn des Complementa-Gründers und immer noch aktiven Dr. Benjamin Brandenberger. Alleine der Name „Brandenberger“ könnte das Buch in der Schweiz zum Verkaufsschlager machen, immerhin gehören die Brandenbergers in der Schweiz zum Establishment in der Pensionskassenlandschaft.

Doch welche Missstände gibt es bei Pensionseinrichtungen, schweizerischen wie deutschen?



Generell, so Michael Brandenberger, werde zu wenig geführt – oder Verantwortlichkeiten vermischt. Oft fehlten auch einfach die Anlagerichtlinien und ein objektiver Prozess für die Manager-Auswahl oder dessen Austausch. Meyers Sicht: „Ich bin ein Gegner des obligatorischen Drei-Jahres-Mythos. Nach einem Jahr sollte schon erkennbar sein, ob ein Mandat erfüllt wird.“




Top-Thema: Alternative Stile einbinden


Manager-Wechsel sind das eine, der richtige Mandatszuschnitt das andere. Bei Complementa macht man etliche Investment-Trends aus, die für die Mandanten zunehmend wichtiger werden, so die Durationssteuerung bei Euro-Anleihen, daneben die Verstärkung von Convertibles (Zielrichtung Global Convertibles und der Marsch durch die Regionen), dann selbstverständlich Private Equity und Immobilienanlagen (inklusive Infrastruktur-Anlagen) und schließlich Emerging Markets, wo die Investoren nach der Beobachtung des Consultants die Convergence Plays inzwischen bereits „rückbauen“, aber das klassische Aktien-Exposure durchaus noch ausbauen könnten.

Das eigentliche Top-Thema der Investment-Beratung ist indessen die Einbindung von alternativen Management-Stilen in die gesamte Asset Allocation – will sagen, die Nutzung von Long-Short-Strategien in den Asset-Klassen. „Es ist nicht der Hedgefonds, der der Asset Allocation als zusätzliche Alpha-Quelle hinzugefügt wird, sondern die Long-Short-Strategie, die in die bestehenden Segmente eingefügt wird und sie optimiert.“ Das ist die Vision. Sind die Tage der reinen Hedgefonds damit gezählt? Wohl nicht so schnell. Zumindest braucht man erst einmal die Manager, die auch in schlechten Zeiten das einzelne Segment stabilisieren. Denn darum geht es.


Alternatives versus Absolute Return


Das gilt noch mehr für das taktische Overlay, die Königsklasse der Management-Stile, die bei den Investoren sehr gefragt ist. Das Problem ist nicht neu, nur die Ausführung. Früher haben die Kunden Balanced-Mandate vergeben in der Hoffnung, dass der Manager Stellung zu Aktien oder zu Renten bezieht, um das Portfolio zu hedgen. Jetzt ist es anders benannt und verpackt (regel- oder prognosebasiertes Overlay, Absolute Return Overlay, GTAA), aber immer noch fehlt der Manager, der die taktische Steuerung wirklich in die Hand nimmt. Diesen Manager zu finden, ist die große Herausforderung für den Consultant.

Erstaunlich, aber wahr: In dieser Hinsicht scheinen die deutschen Investoren gegenüber ihren Schweizer Kollegen einmal die Nase vorn zu haben. Absolute-Return-Mandate werden in der Schweiz kaum vergeben. Stattdessen sind dort die alternativen Asset-Klassen auf dem Vormarsch. Hierzulande werden dagegen systematisch Absolute-Return-Strategien in die Asset Allocation integriert – wie etwa beim BVV oder bei Porsche. Auf breiter Basis umsetzbar sei das bislang allerdings noch nicht. Dazu fehle es an ausreichend Kapazität bei den Asset Managern. Dazu Meyer: „Es gibt einige junge – auch deutsche – Manager, die uns bekannt sind. Aber ihre Kapazität ist noch begrenzt, die entsteht gerade erst.“


Core Satellite: noch manches im Argen


Ähnliches ist auch bei Portable-Alpha-Konzepten wahrzunehmen, wobei Meyer freimütig zugibt, reinrassige Ansätze in der Praxis bislang noch nicht mitbegleitet zu haben: Hier entsteht eine neue Manager-Generation, die immer mehr Ansätze anbietet und das neue Konzept mit Leben erfüllt. Das kann man von passiven Hedgefonds-Konzepten dagegen nicht sagen. Die bisherigen Produktansätze konnten laut Brandenberger das nicht halten, was sich Investoren davon versprechen.

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh das Gute liegt so nah“, sagt schon Goethe. Warum Zukunftsvisionen nachgehen, wenn die Hausaufgaben noch nicht erledigt sind: In Sachen Core Satellite liegt nach Complementa-Ansicht immer noch manches im Argen. Gerade mittlere und große Pensionskassen hätten den passiven Strategien – oder besser: ihren aufgemotzten Spielarten Enhanced Indexing, Fundamental Indexing, Active Indexing – speziell im Eurobond-Bereich noch nicht den rechten Stellenwert gegeben. Und die Satelliten-Anlagen seien nicht ausreichend mit den notwendigen größeren Freiheitsgraden für die Manager versehen.


Vergütung nach „Nutzen“ ante portas?


Von Performance-Vergütungen für Asset Manager hält man bei Complementa eine ganze Menge. Am besten mit kleiner Basisvergütung, die das Geschäftsmodell des Asset Managers am Laufen hält. Und noch besser: symmetrische Performance Fees mit Cap und Floor, wie sie in der Schweiz anzutreffen seien. Fairer geht’s kaum noch für die Kunden! Performance-Vergütungen für den Consultant, womit etwa alpha portfolio advisors sogar ganz transparent auf ihrer Internetseite werben, waren dagegen bislang eher eine Seltenheit. Dahinter stecke die Schwierigkeit, den Erfolg klar zuzuordnen, meint Meyer, aber absolut kein Minderwertigkeitskomplex, was den geleisteten Mehrwert angeht. Ganz im Gegenteil.

Deshalb sein Schlusswort in eigener Sache: „Ich bin dafür, dass die Investoren künftig auch die Bezahlung des Consultants ins Verhältnis zu dem Nutzen setzen, den er stiftet. Heute erhält der Consultant hingegen nur einen Bruchteil dessen, was der erfolgsdotierte Asset Manager erhält.“

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