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Die Luft wird dünn Von Clemens Schuerhoff


Veröffentlicht am:  03. Mai 2007
— Bernd Vorbeck, Universal-Investment, Geschäftsführer

Die Master-KAG hat die Internationalisierung des Asset Managements in Deutschland vorangetrieben – und eben diese Internationalisierung holt viele Anbieter nun ein. Für einige wird sie zur Herkulesaufgabe, die nicht mehr zu bewältigen ist. Der Wettbewerb um Fondsadministration findet künftig in ganz anderen Dimensionen statt.

Die Master-KAG als spezifische Ausprägung einer Investment-Gesellschaft schreitet auf ihrem Lebenszyklus zügig voran.

Seit dem Beginn des Trends Master-KAG mit dem legendären Nikolaus-Rundschreiben der Bafin Ende 2001 hat sich der Markt in Deutschland bereits deutlich konsolidiert: Der Hauptwettbewerb findet gerade einmal zwischen einer Handvoll Marktteilnehmern statt. Technische und prozessuale Aspekte, die seit 2002 auf die Agenda rückten (Investment-Gesetz, Derivateverordnung, IFRS, STP und Swift), sind weitgehend abgearbeitet. Die aktuellen Herausforderungen betreffen primär die Internationalisierung des Asset Managements sowie strategische Aspekte hinsichtlich der organisatorischen Aufstellung im europäischen Wettbewerb der Fondsadministration. Dabei steht der Wettbewerb beziehungsweise mögliche strategische Allianzen mit den Global Custodians im Zentrum der Betrachtung. Die echten strukturellen Änderungen des Marktes für Fondsadministration stehen erst bevor.


Die harten Fakten der dpn-Umfrage 2007


An der diesjährigen Umfrage haben 12 Master-KAGen teilgenommen, die insgesamt 625,2 Milliarden Euro verwalten. Das entspricht knapp der Hälfte des deutschen Investment-Marktes und einem deutlich höheren Anteil des Spezialfondsgeschäftes. Die Teilnehmer sind mit der Vorjahresumfrage identisch, lediglich die Citigroup hat dieses Jahr nicht teilgenommen. Die Umfrageteilnehmer verwalten insgesamt 2.151 (Vorjahr: 1.616) Segmentfonds, davon werden 645 (Vorjahr: 735) selbst verwaltet. Sie arbeiten im Durchschnitt mit 44 (Vorjahr: 34) externen Asset Managern zusammen, davon sind durchschnittlich 13 (Vorjahr: 10) ausländische Asset Manager ohne eigene KAG in Deutschland. Der Median der Anzahl der angebundenen Depotbanken beträgt 14. Die detaillierten Antworten der Umfrageteilnehmer können mit dem Stichwort „dpn-Umfrage Master-KAG 2007” per Mail unter dpn@ft.com angefordert werden.


Kaum mehr Differenzierung im Basisgeschäft


Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass eine nachhaltige Differenzierung über Standard-Themen wie Reporting & Controlling sowie Technik kaum mehr möglich ist. So zählen HGB-, VAG-, IFRS- und Bafin-Reporting, die Aggregation des Reportings inklusive Direktbestandsverwaltung, das E-Reporting sowie die gesetzliche und vertragliche Anlagegrenzprüfung zu den absoluten Standard-Dienstleistungen einer Master-KAG. Hinsichtlich der internen und externen STP-Fähigkeit (Straight Through Processing) sind die Einschätzungen der Umfrageteilnehmer derart, dass diese als hoch beziehungsweise voll erfüllt angesehen werden. Dies gilt auch für die Umsetzung der BVI-Standards für die Broker-Kommunikation und die Abwicklungsanweisung an Depotbanken via Swift. Bei den abgefragten Dienstleistungen wie Asset-Liability-Beratung, Angebot von Wertsicherungskonzepten und Overlay Management sowie Performance- und Risikomessung und –Attribution lassen sich ebenfalls keine nennenswerten Differenzierungskriterien mehr feststellen.


Internationalisierung bringt Herausforderungen


Der oberflächliche Schluss, dass alle Master-KAGen den gleichen Katalog an Dienstleistungen haben und eine Differenzierung nicht mehr möglich ist, schlägt dennoch fehl. Es gibt verschiedene Dimensionen, die es sich lohnt genauer anzuschauen. Diese Dimensionen sind die Internationalisierung des Asset Managements und ein entsprechend nachhaltiges Commitment zur Fondsadministration in einem internationalen Kontext.

Damit gehen komplexe Anforderungen auf operativer und strategischer Ebene an die Master-KAGen einher. Die Internationalisierung des Asset Managements hat zur Folge, dass die Komplexität der Prozesse steigt: Für immer exotischere Produkte und Märkte muss in automatisierte Prozesse manuell eingegriffen werden. Stammdatenverfügbarkeit, adäquate Risikoabbildung und eine saubere Erfassung in den Fondsbuchhaltungs-Systemen sind permanente Baustellen. Das sorgt dafür, dass der Effizienzgrad der Prozesse in den Häusern tendenziell abnimmt. Dazu Uwe Trautmann, Sprecher der Geschäftsführung der Helaba Invest: „Die Herausforderungen für die Anbieter sind nach wie vor die Automatisierung der Prozesse (STP) mit externen Dritten, mit dem Ziel, die Effizienz der Prozesse weiter zu steigern sowie manuelle Prozesse und damit potenzielle Fehlerquellen zu reduzieren.“ Die Abbildung exotischer Märkte erfolgt beispielsweise bei Core-Satellite-Ansätzen zunehmend durch Investments in entsprechende Publikumsfonds. Das bringt ebenfalls zusätzliche Anforderungen im Reporting. Diese Bestände gilt es zeitnah zu „durchschauen“ und sie hinsichtlich Duration, Branchen- und Länder-Gewichtung in das Gesamt-Reporting zu integrieren. Zusätzlich muss eine Doppelbelastung des Investors mit Verwaltungsgebühren vermieden werden. Weitere operative Anforderungen der Internationalisierung resultieren aus der Zeitzonenproblematik (Erreichbarkeit), Sprachbarrieren sowie der Disziplinierung ausländischer Asset Manager an die deutsche Gesetzgebung. Dies erfordert hohe Kompetenz und Flexibilität der Mitarbeiter einer Master-KAG. Die operativen Chancen für die Master-KAGen liegen darin, Flexibilität sowohl in Bezug auf die technische Infrastruktur als auch im Hinblick auf eine schnelle Umsetzung neuer gesetzlicher und kundenspezifischer Anforderungen zu gewährleisten, und das bei gleichzeitiger Beordnung und Optimierung des kaufmännischen Rahmens im eigenen Haus.

Für den institutionellen Kunden resultieren diese Fakten in sichtbaren Differenzierungskriterien, und zwar dem Reporting, dem Service und dem Pricing.


Transparente Preismodelle


Die Fondsadministration ist nach wie vor ein margenarmes Geschäft, in dem durch Dienstleistungen wie Overlay Management, Wertsicherungs-Konzepte oder Passiv-Management Zusatzerträge erzielt werden. Wenn der institutionelle Investor aus zusätzlichen Leistungen der Master-KAG für sich Mehrwerte erzielen kann, akzeptiert er dafür zusätzliche Aufwendungen. Das meist modulare Pricing der Master-KAGen ist im Vergleich zum Asset Management recht transparent, denn Master-KAGen können keine verdeckten oder indirekten Zusatzerträge durch Handelsaktivitäten erzielen. Diese generell im Investment-Geschäft immer noch zu beobachtende Tatsache ist der Hauptgrund dafür, dass viele traditionelle KAGen immer noch Fondsadministration anbieten und diesen Bereich aus dem Asset Management quersubventionieren.

Erstmals fragte dpn auch nach dem Potenzial des Geschäftes. Hier sind die Einschätzungen der Teilnehmer sehr unterschiedlich. So wird der Prozentsatz relevanter institutioneller Endinvestoren, die bis Ende 2008 neue Master-Mandate abschließen, zwischen 5 (Allianz Global Investors) und 80 Prozent (Pioneer Investments) eingeschätzt.


Quo vadis, Master-KAG?


Auf strategischer Ebene resultieren aus der Internationalisierung des Asset Managements wichtige Fragestellungen für die deutschen Anbieter von Master-KAG-Dienstleistungen. Natürlich braucht eine deutsche KAG ein lokales Set-up, um deutschen aufsichtsrechtlichen Auflagen und deutschen Präferenzen gerecht zu werden. Parallel ist ein internationales Set-up wichtig, um Kunden grenzüberschreitend begleiten zu können und internationalen Usancen und Trends gerecht zu werden. Bernd Vorbeck, Sprecher der Geschäftsführung der Universal-Investment, sagt dazu: „Aus unserer Sicht muss ein strategisches internationales Set-up daher unterschiedliche Standorte und Jurisdiktionen beinhalten, um für den Anleger maßgeschneiderte Lösungen, zum Beispiel bei Asset Pooling, Rohstoff-Investments oder Hedgefonds-Konzepten, umsetzen zu können.“

Im Gegensatz zur Universal gibt es Master-KAGen, die in großen internationalen Konzernen eingebunden sind, in denen meist ein Global Custodian als gesetzter Partner zur Verfügung steht. Das bedeutet, dass es unter den deutschen Master-KAGen deutlich unterschiedliche Organisationsformen und Konzernstrukturen gibt. Es ist sicher unbestritten, dass langfristig eine Struktur in einem internationalen Kontext absolut erforderlich ist. Im europäischen Umfeld hat die Verpackung deutscher Spezialfonds und somit auch die Master-KAG keine Bedeutung.

Mit einer neutralen und interessenfreien Master-KAG hat sich der deutsche Markt selbst ein trojanisches Pferd vor die Tür gestellt. Denn es verschafft fast ausschließlich nur internationalen Asset Managern Zugang zum deutschen Markt, ohne sich im margenarmen Umfeld der deutschen Fondsadministration engagieren zu müssen.

Der eigentliche Wettbewerb in der Fondsadministration steht erst bevor – und zwar sobald Global Custodians und Master-KAGen in unmittelbarem Wettbewerb stehen. Dann wird der Terminus Master-KAG verschwunden sein. „Die Anzahl der Anbieter wird sich um etwa ein Drittel reduzieren. Das Dienstleistungspaket wird sich von der reinen Administration zu einer ganzheitlichen Beratung institutioneller Kunden gewandelt haben. Dabei wird die technische Umsetzung alle denkbaren Vehikel (Spezialfonds, Sicav, FCP, CCF, virtuelles Pooling) umfassen“, lautet die Einschätzung von Michael Fuss, Head of Distribution Master-KAG bei der Deam. Die internationale Administration von Fondsvehikeln wird zum absoluten Hygienefaktor. Die Management-Aufgaben liegen in der kaufmännischen und juristischen Effizienz der Vehikel. Die heutigen international aufgestellten Master-KAGen werden entweder dort mitspielen oder sich auf Zusatzdienstleistungen bei der ganzheitlichen Steuerung und Strukturierung von Investments konzentrieren. Marktteilnehmer, die sich diesen Entwicklungen entziehen, werden in zehn Jahren keine Master-KAG-Anbieter im heutigen Sinne mehr sein.

„Die Master-KAG ist ein Zwischenschritt”

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