Konsolidierung war gestern
Veröffentlicht am: 03. Mai 2007
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Peter Roemer
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Klotzen, nicht kleckern! Und die weltweiten PS endlich einmal ohne Abstriche auf die Straße bringen – dann macht das Geschäft auch wieder Spaß: Peter Roemer, der seit vergangenem Jahr das institutionelle Geschäft der Deutschen Asset Management (Deam) fit machen soll, sagt in unserer neuen Rubrik Chefsache, wie er das anpackt.
Fragen: Maik Rodewald Antworten: Peter Roemer, Deam, Sprecher der Geschäftsführungund europaweiter Leiter des institutionellen Geschäfts
„Überzeugungstäter” – diesen Eindruck gewinnt man von Peter Roemer im persönlichen Gespräch recht schnell. Nicht etwa bloß, weil er im vergangenen Jahr nach zehnjähriger Abstinenz und Abstechern zur CSFB und Credit Suisse Asset Management wieder dorthin zurückkehrte, wo er 1986 als Trainee angefangen hatte: zur Deutschen Bank. Es ist vor allem seine hemdsärmelige Art, die „Packen wir’s an”-Mentalität, die im Trio mit seiner Faszination für das Asset Management („Es ist einfach extrem spannend.”) und seiner optimistischen Sicht nach vorne wirkt. Betrachtet man dazu seinen persönlichen Track Record – in seiner Zeit als Geschäftsführer der Deka Kapitalanlage GmbH 1997 bis 2000 vervielfachten sich die Assets –, kann man sich ziemlich gut vorstellen, wie schnell und sicher Druck in das mäßig laufende Geschäft der Deam hineinkommt. So könnte er dem ehemaligen Deam-Chef Oliver Behrens, jetzt bei der Deka, vormachen, wie man auch mit Kevin Parker gut Kirschen essen kann.
MRO
dpn: Herr Roemer, Sie haben die Anfänge des institutionellen Asset Managements in Deutschland erlebt und den Aktienmarkt-Crash 1987 als Aktienhändler bei der Deutschen Bank mitgemacht. Was hat Sie in Ihrer Karriere am meisten beeindruckt?
Roemer: Wie interessant Asset Management über die Jahre geblieben ist. Es ist reich an Facetten und Ideen und zwingt permanent zu Innovationen. Es ist einfach extrem spannend.
dpn: Sollte sich die Deam morgen Ihnen trennen, dann würden Sie am ehesten ...
Roemer: ... in der Industrie bleiben, entweder im Asset Management oder im Investment Banking.
dpn: Wäre es für Sie interessant, jetzt noch als Partner bei einer Private-Equity-Gesellschaft einzutreten?
Roemer: Auf Basis der aktuellen Zinsniveaus und der Refinanzierungsmöglichkeiten wird Private Equity auch weiterhin eine große Rolle spielen. Wir – die Deam – haben uns gerade an einer großen Private-Equity-Gesellschaft namens Aldus, einem Dachfondsmanager, in den USA beteiligt; wir halten Private Equity also für ein interessantes Geschäftsfeld.
dpn: Bieten Sie das also bald institutionellen Investoren an?
Roemer: Ja, aber nicht sofort. Wir haben uns ja gerade erst beteiligt.
dpn: Seit Mitte 2006 verantworten Sie das institutionelle Geschäft in Europa und überwachen 140 Milliarden Euro. Mit Erfolg?
Roemer: 2006 war für die Deam das Jahr der Konsolidierung. 2007 hat für uns aber sehr stark begonnen. Ich gehe davon aus, dass wir in diesem Jahr in Deutschland unseren Marktanteil steigern. Ich bin auch deshalb so optimistisch, weil ich unsere Mitarbeiter und unser Management-Team für exzellent halte. Wir haben unsere Kräfte gebündelt, DWS und Deam bilden eine Einheit – und das auch global, wohlgemerkt! Und wir haben kurze Wege, das garantiert schnelle Reaktionszeiten: Ich kann Klaus Kaldemorgen und meinem Pendant für den Retail-Vertrieb, Stephan Kunze, von meinem Büro aus zuwinken, wenn wir einen Termin machen wollen.
dpn: In Ihrer Zeit bei der Deka haben Sie gezeigt, dass Sie Volumen hereinholen können. Aber zum Marktführer im Geschäft mit institutionellen Investoren in Deutschland, Allianz Global Investors, ist der Abstand gemessen an den Assets under Management noch substanziell.
Roemer: So groß ist der Abstand nicht. Zögen wir zudem in den Vergleich ein, dass unsere institutionellen Kunden sehr stark in unsere Publikumsfonds investieren, schrumpfte der Abstand ziemlich stark. Und der Trend zu Publikumsfonds wird noch stärker werden.
dpn: Ist das Vorankommen in Deutschland Ihr wichtigstes Ziel?
Roemer: In Deutschland und Österreich sind wir stark, und diese Märkte werden wichtig bleiben. Aber wir denken europäisch: Unser Ziel ist, in Europa den Marktanteil deutlich zu steigern. Gerade in Großbritannien, Holland und Skandinavien bauen wir auf und wollen künftig stärker lokal vertreten sein. Und das Geschäft in Frankreich, Spanien und Italien ist ordentlich, aber ausbaufähig.
dpn: Und wie?
Roemer: Die Deam hat weltweit eine ganze Menge zu bieten, und diese ganzen PS müssen wir besser auf die Straße bringen. Das heißt: Erstens werden wir gute Produkte, die wir in den USA oder Asien produzieren und bisher nur dortigen Investoren angeboten haben, auch in Europa anbieten und umgekehrt. Beispiele dafür sind unsere quantitativen Strategien oder auch unsere Produkte im Bereich Thematisches Investieren und Lösungen unserer Alternative- und Real-Estate-Tochter Reef. Zweitens: Wir investieren derzeit sehr viel in unsere Strukturierungsexpertise, wie man also gute Ideen für verschiedene Investoren verpackt und damit erstmals zugänglich macht.
dpn: Wo werden Sie in den kommenden zwölf Monaten noch viel investieren?
Roemer: Eindeutig in unsere Quant-Strategien, denn die Kunden fragen das sehr stark nach. Wir werden das Research und die Ressourcen dafür nochmals ausbauen. Die Expertise in New York wollen wir in Europa zum Tragen bringen. Als Ergänzung zu unserem aktiven Management-Stil werden wir ein aktives Aktien-Quant-Produkt hier in Europa anbieten, und zwar mit einer höheren Information Ratio.
dpn: Mit welchen Produkten können Sie denn gemäß Ihrer Wettbewerbsanalyse international sehr gut bestehen?
Roemer: Wir sind sehr erfolgreich beim thematischen Investieren, wo wir nach den drei übergreifenden Kriterien Knappheit, Diskontinuität und Menschliches Verhalten investieren. Ein solches Mandat hat keine Restriktionen und keine Benchmark – und bisher eine hervorragende Performance. Wir haben ein erfolgreiches Produkt im GTAA-Overlay-Management, das wir iGAP nennen. Außerdem sind wir einer der Marktführer bei globalen Infrastruktur-Investments. Diese Lösungen bieten wir nun auch in Europa an.
dpn: Sie erwähnten iGAP. Was ist das?
Roemer: Die Abkürzung für Integrated Global Alpha Platform. Dahinter verbirgt sich letztlich unsere GTAA-, Overlay- und Portable-Alpha-Strategie. Sie nutzt verschiedene Alpha-Quellen unserer weltweiten Investment-Teams und formt daraus eine globale taktische Asset Allocation, deren Information Ratio über drei, fünf und sieben Jahre über eins liegt. Unserer Meinung nach gehört es zu den besten GTAA-Produkten auf dem Markt.
dpn: Welche neuen Produktlösungen könnten in den kommenden beiden Jahren aktuell werden, von denen man heute noch kaum spricht?
Roemer: Das wird stark von den Regularien abhängen. Beispielsweise wird Solvency II viel Neues auf die Tagesordnung bringen. Das Thema Liability Driven Investments gewinnt an Bedeutung.
Pensionseinrichtungen werden zunehmend dazu übergehen, statt der Rendite das Risiko gegenüber ihren Verbindlichkeiten zu managen. Für den Pensionsfonds der Deutschen Bank machen wir das bereits seit einigen Jahren.
Besonders wichtig wird auch sein, für die Investoren die richtige Liability Benchmark zu finden, deren Duration für Pensionseinrichtungen eigentlich viel länger sein muss, als es herkömmliche Indizes liefern können.
dpn: Das heißt, Sie werden Ihre Pension-Solution-Gruppe unter Nikolaus Schmidt-Narischkin weiter ausbauen?
Roemer: Sicherlich. Die Gruppe hat im vergangenen halben Jahr sehr erfolgreich Mandate gewonnen, teilweise zusammen mit der Investment-Banking-Sparte der Deutschen Bank. Wir haben zum Beispiel die Deutsche Pensionsfonds AG genutzt für ein internationales Unternehmen, was seine deutschen Pensionsverpflichtungen auslagern wollte.
dpn: Sind Sie mit den Anlageergebnissen des Deutsche-Bank-Pensionsfonds zufrieden, den die Deam damals aufgesetzt hat?
Roemer: Wir sind sehr zufrieden. Die Performance war in den vergangenen Jahren sehr gut. 2006 betrug die Outperformance gegenüber der Liability Benchmark satte 300 Basispunkte, was sehr zur guten Finanzierungslage des Pensionsfonds beigetragen hat. Das lag sogar noch unter unserem jährlichen Schnitt, denn seit dem Start vor fünf Jahren haben wir über 23 Prozentpunkte, also 2.300 Basispunkte, Outperformance erzielt. Im vergangenen Jahr war die Liability Benchmark zwar negativ, aber das ist unerheblich, weil es ein Defined-Benefit-Plan ist.
dpn: Setzen Sie Absolute-Return-Mandate beim Pensionsfonds ein?
Roemer: Selbstverständlich. Wir setzen Overlay-Strategien ein , die wir demnächst auch noch ausweiten werden. Der Pensionsfonds hat zudem ein Alternative-Segment. Als Absolute Return definieren wir Libor plus x; um die absolute Rendite zu erreichen, investieren wir aber ziemlich konservativ, also keineswegs in Hedgefonds mit einer 20-prozentigen Volatilität.
dpn: Wie wird Ihr Geschäft in fünf Jahren aussehen?
Roemer: Anders als heute. Das Geschäft wird sehr stark von Innovationen getrieben werden, beispielsweise von LDI oder der Trennung von Alpha und Beta.
dpn: Also werden Investoren den Pfad der Alpha-Beta-Trennung gehen?
Roemer: Jeder wird es nicht machen, aber der Trend geht dahin. Die Wachstumsraten bei den Publikumsfonds sprechen jetzt schon eine klare Sprache: Passiv investierende Fonds legen deutlich zu, während die an einer relativen Benchmark orientierten Fonds verlieren. Wenn der Kunde aktiv investiert, dann in Produkte mit deutlich höherem Tracking Error, die dann auch ein deutlich höheres Alpha liefern müssen. Und bei institutionellen Mandaten ist das Interesse an passiven Enhanced-Ansätzen groß.
dpn: Wie verteilt sich Ihre Arbeitszeit auf deutsche und auf europäische Kunden?
Roemer: Ich betreue einige sehr große Kunden wie beispielsweise Zentralbanken außerhalb Deutschlands als Senior Relationship Manager, deshalb ist die Arbeitszeit etwa gleich verteilt. In fünf Jahren wird das ähnlich sein – vielleicht mit leichtem Hang zu europäischen Kunden, obwohl Deutschland sicherlich unser Schwerpunktmarkt bleibt.
dpn: Was wird irgendwann auch deutsche Investoren beschäftigen, was Sie bei Ihren Kunden derzeit schon in Europa sehen?
Roemer: Neben der Trennung von Alpha und Beta sicherlich die Institutionalisierung von Hedgefonds. Und nicht zu vergessen auch Overlay Management, sowohl als Risiko- als auch als GTAA-Overlay. Gerade das Overlay Management wird in einer Welt, in der Aktien, Bonds und andere Investments stärker denn je korrelieren, zur wichtigen Renditequelle und zum wichtigen Risikomanagement-Instrument. Außerdem wird man künftig ganz anders in Immobilien investieren als bisher: Die gesamte Wertschöpfungskette wird einbezogen und reicht von Infrastruktur bis zu Real-Estate-Hedgefonds. Wir werden auch den Trend zum Unconstrained Investing sehen, ohne großartige Benchmark-Vorgabe.
dpn: Was meinen Sie mit der Institutionalisierung von Hedgefonds?
Roemer: Das typische Long-Short-Management eines Hedgefonds wird zum Mainstream-Produkt. Die ersten Varianten werden die 130:30- oder 120:20-Mandate sein, die wir derzeit verstärkt anbieten. Damit gehen Sie 130 Prozent long und 30 Prozent short, so dass Sie netto wieder auf 100 Prozent long kommen. Ein guter Fondsmanager weiß in der Regel nicht nur, welche die guten, sondern auch welche die schlechten Aktien sind.
dpn: Bei welchen Investment-Ansätzen sind Sie Marktführer?
Roemer: Wer wo wirklich Marktführer ist, ist nicht transparent. Stark sind wir nach meiner Einschätzung in den Kategorien Corporate High Yield, Emerging Markets Fixed Income und Aktien, europaweit bei gemanagten CDOs/CLOs, Cash und Cash Enhanced, thematischen Aktieninvestments, Small und Mid Caps, aktiven Quant-Strategien und Commodities. Über unsere Tochter Reef sind wir weltweit eines der führenden Häuser bei Investments in Infrastruktur und Opportunistic Real Estate.
dpn: Das ist sehr viel.
Roemer: Deshalb bin ich auch so optimistisch.
dpn: Reicht das, um bei den richtig großen Pensionsfonds in Europa wie PGGM, ABP und dem Norwegian Petroleum Fund zu landen?
Roemer: Ja mit Ausrufezeichen!
dpn: Wie häufig haben Sie bereits in Europa außerhalb Deutschlands und Österreichs um institutionelle Mandate gepitcht? Wie häufig sind Sie zum Zuge gekommen?
Roemer: Wir haben 2006 allein für institutionelle Kunden außerhalb Deutschlands über 100 Requests for Proposal beantwortet, also fast jeden zweiten Arbeitstag. Unsere Erfolgsquote entspricht dem Marktschnitt. Das lässt sich steigern.
dpn: Haben Sie auch Investment-Ansätze ausgemacht, die Sie demnächst streichen werden – oder bereits gestrichen haben?
Roemer: Momentan ist mir auf der institutionellen Seite nicht bekannt, dass wir uns von irgendetwas verabschieden.
dpn: Welche Mythen des Asset Managements würden Sie gerne als solche entlarven?
Roemer: Ein Mythos ist, dass Hedgefonds an sich positive Rendite erzielen. Die Risiko-Return-Profile von Hedgefonds streuen sehr stark. Deshalb ist die Selektion so wichtig, und da merkt man schnell, wie wenig konstant die Erfolge vieler Hedgefonds-Strategien sind. Je mehr sich diese Produkte institutionalisieren und je mehr Transparenz hineinkommt, umso mehr löst sich dieser Mythos auf. Eine weiterer Mythos ist, dass Diversifikation per se gut fürs Portfolio ist, nach dem Motto: Viel hilft viel. Denn in Krisensituationen können manche Asset-Klassen durchaus stark korrelieren, beispielsweise High Yield Bonds oder Corporates und Aktien. Die Korrelationen sind in Krisensituationen nicht stabil, so dass man da an die Grenzen der Portfolio-Theorie stößt. Deswegen auch unser Plädoyer für den Einsatz von Overlay-Strategien, mit denen solche Risiken effizient zu managen sind.
dpn: Die ganze Branche ist mit Asset-Klassen groß geworden. Deren Grenzen sind aber teilweise sehr willkürlich gezogen. Die Frage ist, ob die heutigen Asset-Klassen-Definitionen noch zeitgemäß sind und schlechtere Ergebnisse produzieren, als wenn die Grenzen anders gezogen würden. Könnte man alternativ nicht nach Renditetreibern investieren?
Roemer: Was verstehen Sie denn unter Renditetreibern?
dpn: Das frage ich Sie.
Roemer: Es gibt bestimmt Faktoren, welche die Renditen einzelner Asset-Klassen bestimmen, wie etwa Zinsen und Inflation. Teilweise fließen die ja schon bei der Asset Allocation ein. Wir haben entsprechende Prognosemodelle, wo wir Werttreiber für die einzelnen Asset-Klassen oder das einzelne Asset ausmachen, die dann unsere taktische Positionierung bestimmen. Für die strategische Asset Allocation spielen diese Wert- oder Renditetreiber eine geringere Rolle. Hier schlage ich vor, die herkömmliche Asset-Klassen-Denke beizubehalten.
dpn: Worüber wird sich die Branche in den nächsten Jahren noch wundern?
Roemer: Über die Geschwindigkeit, mit der Veränderungen kommen werden, und sicherlich auch darüber, wie stark sich die Marktanteile in den nächsten zehn Jahren noch verschieben werden. In den USA sehen Sie, was mit solchen einstigen Top-Häusern im Asset Management geschieht, die sich zu lange auf ihren Lorbeeren ausruhen und Trends wie etwa Portable-Alpha- und Total-Return-Strategien oder Alternative Anlagen verpassen. Ein ganz entscheidender Faktor wird noch der Kampf um Talente sein. Die guten Leute an Bord zu nehmen und vor allem dann auch zu halten, das wird wettbewerbsbestimmend sein.
dpn: Wie schwierig ist das heute schon?
Roemer: Der Markt ist sehr eng, vor allem für solche Kräfte, die mit den modernen Themen umgehen können. Alleine wir wollen 2007 über 20 Mitarbeiter für das institutionelle Geschäft einstellen, sei es in der Consultant-Betreuung oder auch im Vertrieb. Daneben stärken wir die Produktion und holen uns Talente mit quantitativem Hintergrund an Bord, um unsere Pension-Solution-Gruppe weiter zu stärken. Das ist nicht einfach. Aber die Marke DWS/Deam zieht. Das Wichtigste ist es, dass Sie den Top-Kräften Perspektive und Vision vermitteln können. Sonst werden Sie im Kampf um Köpfe nicht bestehen.
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