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Mensch Franz,

Veröffentlicht am:  01. März 2007

Jetzt mal ehrlich, so von Westfale zu Sauerländer: Du bist schon ein Schelm! Da betest Du seit Jahren der bAV-Gemeinde vor, der Staat habe kein Geld mehr für die Entgeltumwandlung, die ja auch so richtig in Schwung gekommen ist – zum Beispiel im Handwerk, wo über die Hälfte der mittelständischen Betriebe schon die Entgeltumwandlung anbietet.

Selbst die Hautevolee der bAV-Szene hast Du geblendet mit Deinem Charme, der echt volksnah rüberkommt – so wie damals auf einer Tagung vor einem Jahr in Fulda. Die waren echt beeindruckt von Deiner Rede, von Deinem Sachverstand – und das, obwohl Du’s Ihnen eigentlich schon unver-BLÜMt sagtest, dass Du ab 2009 Sozialversicherungsbeiträge auf umgewandeltes Entgelt willst. Und dieselben Menschen, die damals artig bis begeistert applaudierten, machen sich mittlerweile alle so richtig Sorgen, wie es dann mit der bAV in Deutschland weitergehen soll. Sie sind völlig verwirrt: Zuerst mache der Staat die Entgeltumwandlung attraktiv – und jetzt? Naja, Du kannst es eh schon nicht mehr hören.

Ich weiß nicht, ob Ihr das im BMAS wusstet, aber Du hast da richtig Schumpetersche Kräfte entfacht. Auch die Investmentbranche hast Du gelinkt: Das mit der Entgeltumwandlung haben die meisten von denen eh nie richtig verstanden, und jetzt freuen sie sich einen Ast, dass das teurere private Riestern bald mehr gefördert wird als alles, was man mit der bAV so machen kann. Mensch Franz, wenn die wüssten! Naja, Du bist eben ein richtiger Schelm!

Mag sein, dass ein paar Kluge schon Lunte riechen; bleibt ja auch nicht aus, wenn sie vom deutschen Jobwunder lesen, von der höchsten Beschäftigung seit Ende des Krieges, von Rekorden bei den sozialversicherungspflichtigen Vollzeitstellen, von sprudelnden Steuereinnahmen – aber sie kommen Dir nicht auf die Schliche, Franz. Dafür bist Du zu gewitzt.

Drum wirst Du auch auf der Berlinale der bAV-Szene am 19. März, wo Du auch wieder böse Miene zum guten Spiel machen musst, die Katze noch nicht aus dem Sack lassen. Immerhin bist Du zwar sozial, aber vor allem Politiker – und Politiker taktieren nun mal. Und deshalb hälst Du die Suppe am Köcheln, so lange es geht – bis Ende 2008 eben, möglichst nah an der Bundestagswahl. Und dann? Dann verlängerst Du generös die Beitragsfreiheit um einige Jahre. Alle werden sie Dir zujubeln, nicht mehr nur artig klatschen. Und wenn der Kurt Beck bis dahin weitere Rohrkrepierer wie den pfälzischen Investiv-Lohn vorschlägt, dann wirst Du auch Kanzler – endlich.

Mensch Franz, Du bist schon ein Schelm! Glück auf, Dein

Maik Rodewald,
Chefredakteur

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