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„Der deutsche Markt ist noch nicht verteilt“

Veröffentlicht am:  01. März 2007
— Angela Maria Summonte, BNP Paribas, Institutional Investors Business Development

In den vergangenen zwölf Monaten ist der Wettbewerb unter den hiesigen Custodians spürbar schärfer geworden, außerdem ist das Geschäft komplexer denn je: Viele neue Märkte und Produkte fordern die Custodians – auch wieder in ihrem Brot-und-Butter-Geschäft. Und neue Felder kommen hinzu: zum Beispiel die Fondsadministration.

Fragen: Clemens Schuerhoff
Antworten: Angela Maria Summonte, BNP Paribas, Institutional Investors Business Development

dpn: Frau Summonte, wie würden Sie den Wettbewerb unter den hiesigen Global Custodians beschreiben?

Summonte: Deutschland steht nach wie vor im Fokus der noch verbleibenden internationalen Marktteilnehmer. Durch Konsolidierungen reduziert sich dieses Mitbewerberfeld immer mehr, aber alle wollen in Deutschland präsent sein. Das führt dazu, dass sich Anbieter teilweise recht offensiv in den Markt einkaufen. Auch wenn es sehr spät ist oder sogar zu spät, da neben der internationalen Masse für deutsche Präsenz auch deutsche kritische Masse erforderlich ist.


dpn: Ist der Markt bereits verteilt?

Summonte: Nein. Viele institutionelle Investoren arbeiten schon mit Global Custodians, aber die Mehrheit und insbesondere Versicherer haben noch lokale Depotbanken. Der Trend geht hin zu Global Custodians, weil die Zahl der Asset-Klassen und -Märkte sowie die Affinität für Innovation weiter steigen. Unserer Einschätzung nach gehen neun von zehn ausgeschriebenen Mandaten an drei Anbieter, und alle drei sind Global Custodians.


dpn: Was bedeutet das für die Wechselbereitschaft der institutionellen Investoren?

Summonte: Das lässt sich pauschal schwer sagen. Die Beziehung zu einem Custodian oder einer Depotbank ist grundsätzlich langfristig und partnerschaftlich angelegt. Der Initialaufwand bei einem Wechsel dieser Verbindung ist relativ hoch. Je nach Struktur des Kunden macht der Wechsel oder eine Neuausschreibung der Depotbank Sinn. Die zu beobachtende Verlagerung von den klassischen Depotbanken zu den Global Custodians beantwortet Ihre Frage.


dpn: Was machen Global Custodians denn besser als die klassischen Anbieter? Und was ist der Mehrwert für den Investor?

Summonte: Ich möchte nicht sagen, dass wir etwas besser machen, denn ich unterstelle allen Anbietern eine grundsätzliche Qualität ihrer Dienstleistung. Entscheidend sind Themen wie Abdeckung von Märkten und Asset-Klassen, das Angebot innovativer Mehrwertdienstleistungen wie beispielsweise Asset Pooling, Commission-Recapture-Programme, spezifische Ausprägungen des Performance- und Risiko-Reportings oder Transaktionskostenanalysen. Und nicht zuletzt der Aspekt der Größe, der einher geht mit Effizienz in der Administration oder Investitionen in die IT-Infrastruktur. Für unsere deutschen Kunden investieren rund 80 Asset Manager in über

90 Märkte und dahinter stehen rund 250 Wertpapierhandelshäuser. Dahinter steckt eine enorme Komplexität und operationelle Herausforderung. Der Mehrwert des Investors liegt in erhöhter Flexibilität der Asset Allocation und des Reportings, und vor allem in der Zusammenarbeit mit einem stabilen Partner, der sich zum Custody-Geschäft voll bekennt und entsprechend strategisch aufgestellt ist.


dpn: Wie sieht Ihr Reporting-Angebot aus?

Summonte: Wir bieten vier Niveaus oder Module von Reporting-Arten an. Die Basis ist ein Report mit Performance-Berechnung und den Ex-post-Kennziffern. Das zweite Modul ist ein Management-Reporting mit Analyse der Portfoliostruktur hinsichtlich des Risikos und der Marktallokation. Hier können auch Direktbestände integriert werden. Als drittes setzen wir eine umfangreiche Attributionsanalyse auf, welche die Differenzierungskriterien des Portfolios zum Markt analysiert. Stufe vier ist ein Risiko-Reporting mit Value-at-Risk-Analysen, Stresstest, Backtesting oder Darstellung von Composites. Für diese Module haben wir ein Konditionenmodell nach dem Baukastenprinzip. Wir bieten alles auch als White-Label-Reporting an.


dpn: Sie adressieren also nicht nur institutionelle Endkunden?

Summonte: Richtig. Wir folgen dem Trend, dass immer mehr Kapitalanlagegesellschaften die Fondsadministration aufgeben und einen Outsourcing-Partner wie unser Haus suchen.


dpn: Was hat das für einen Einfluss auf Ihre internen Strukturen?

Summonte: Einen großen Einfluss. Die Kunden erwarten grundsätzlich Chinese Walls in der Organisation und damit eine Trennung von Asset Management, Custodian- und Kapitalmarktaktivität. Das gilt auch für die Administrationsaktivität.


dpn: Wie geht das Custody-Geschäft in Deutschland weiter?

Summonte: Die inhaltlichen Entwicklungen lassen sich auf einen Nenner bringen, der immer noch vom Myners-Report aus dem Jahr 2001 bestimmt ist. Vieles, was in Deutschland geschieht, erklärt sich aus dem Myners-Report. Er ist immer noch wegweisend für alles, was es in der Investment-Industrie geben sollte.

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