Portable Alpha für Altersversorger
Von Dr. Hartmut Leser, Aberdeen Asset Management
Veröffentlicht am: 01. März 2007
Die Portfolien vieler institutioneller Anleger ähneln sich; die Rentenanlagen dominieren. Das Problem: Die erzielten Renditen bleiben oft hinter den Erwartungen zurück. Eine Lösung: der Portable-Alpha-Ansatz. Dieser ist technisch relativ einfach umsetzbar und kann die erwünschte Outperformance erzielen – wenn man ihn beherrscht.
Institutionelle Investoren aus dem deutschen Altersversorgungsbereich sind aus Gründen ihrer Verpflichtungsstruktur – künftige Cash Outflows in Euro – häufig gezwungen, den überwiegenden Teil ihrer Vermögensanlagen in den heimischen Rentenmarkt zu investieren. Dieser gehört jedoch zu den etabliertesten und liquidesten und deshalb zu den effizientesten Rentenmärkten der Welt und ist mit traditionellen Mitteln schwer zu schlagen. Insofern befinden sich Altersversorger oft im Widerspruch zwischen dem Bestreben, ihre Vermögensstruktur an ihren Verpflichtungen auszurichten, und den steigenden Performance-Erfordernissen in einer Zeit sinkender Zinsen und steigender Lebenserwartung.
Hilfreich ist in diesem Zusammenhang sicherlich die traditionell deutsche Vorgehensweise, einen beträchtlichen Teil der Vermögensanlagen in relativ liquide Namenspapiere und Schuldscheine zu investieren – um damit die Kosten des meist glücklosen aktiven Managements in den Euro-Rentenmärkten zu vermeiden und darüber hinaus durch die Eliminierung von Abschreibungen die buchmäßigen Erträge zu stabilisieren. Der verbleibende Teil der Renteninvestments wird typischerweise an externe aktive Manager vergeben die –eingeschränkt durch eine ausgeprägte Benchmarknähe ihrer Anlagepolitik – meist vergeblich versuchen, den relativ effizienten Euro-Rentenmarkt zu schlagen.
Somit liefern die aktiven Rentenmanager – zumindest in ihrer Grundgesamtheit – sicherlich nicht den Finanzierungsbeitrag, den die Altersversorger sich von ihnen erhoffen.
Und so funktioniert Portable Alpha
Ein Konstrukt, mit dessen Hilfe sich diese Problematik zumindest potenziell – Alpha–Fähigkeiten auf Seiten des verpflichteten aktiven Managers vorausgesetzt – lösen lässt, ist der Portable-Alpha-Ansatz. Er baut auf einer sehr einfachen aber plausiblen Philosophie auf:
Der aktive Manager muss nicht dort ein Alpha erwirtschaften, wo der Investor aus der Sicht seiner Verpflichtungen investieren muss. Er kann sich beispielsweise mit weniger verbreiteten Strategien in den weniger effizienten Winkeln der etablierten Märkte bewegen und somit seine Menge möglicher Strategien beträchtlich erweitern. Oder er kann sich in weniger effizienten Märkten wie Emerging Markets und Corporate High Yield engagieren, in denen die Möglichkeiten, eine Outperformance zu erzielen, für gut aufgestellte Asset Manager gegeben sind. Mittels derivativer Instrumente, zum Beispiel Rentenindex-Futures, wird das Investment in den Euro-Markt bewerkstelligt. Das aus Verpflichtungs- und sonstigen Gründen unerwünschte Investment in exotischere Marktsegmente wird mit Hilfe von weiteren Derivaten, in der Regel ebenfalls Index- Futures, vermieden. Erwirtschaftet der Manager auf seinen bevorzugten und nicht notwendigerweise mit dem Euro-Rentenmarkt identischen Terrains ein positives aktives Alpha, bleibt dem Altersversorger netto die Performance seines heimischen Rentenmarktes plus das anderswo erwirtschafte Alpha. Kombiniert mit einem rigorosen Risiko-Controlling ergibt dieser Ansatz ein Investmentvehikel, mit dessen Hilfe die scheinbare Unvereinbarkeit einer verpflichtungsgeprägten und einer performanceträchtigen Vermögensstruktur im Alterversorgungsbereich aufgehoben werden kann.
Technisch keine Hexerei
Technisch funktionieren Portable-Alpha-Ansätze relativ einfach: Das Investment in den heimischen Rentenmarkt wird durch eine Futures-Long-Position, zum Beispiel im Bund-Future, hergestellt. Alternativ dazu wäre eine Swap-Lösung vorstellbar, die der Futures-Position sehr ähnlich ist, jedoch ein genaueres Zuschneiden des synthetischen Rentenmarkt-Investments auf die künftigen Cash Outflows des Investors ermöglicht. In beiden Fällen müssen, etwas vereinfacht gesprochen, keine liquiden Mittel investiert werden. Der Ertrag dieser Position ist die Performance des entsprechenden Segments des Euro-Rentenmarktes, vermindert um den Geldmarktsatz. Der Manager kann sein Alpha dadurch erzeugen, indem er die vorhandenen Mittel in diejenigen Märkte investiert, in denen seine Strategien am vielversprechendsten anwendbar sind und indem er gleichzeitig das Marktrisiko durch Hedge-Transaktionen eliminiert. Was bleibt, ist der Geldmarktsatz zuzüglich des vom Manager erzielten Alphas. Insgesamt summieren sich diese Performance-Bestandteile zu einem Gesamtertrag in Höhe der Performance des heimischen Rentenmarktes zuzüglich dem Alpha des Managers.
Unabhängige Rentenmarkt-Alphas
Voraussetzung für eine erfolgreiche Portable-Alpha-Strategie ist die Fähigkeit des involvierten Managers, sich die richtigen Betätigungsfelder auszusuchen und dort eine Outperformance zu erzielen. Aberdeen Asset Management arbeitet seit vielen Jahren mit Portable-Alpha-Ansätzen für rentenorientierte ausländische Altersversorgungseinrichtungen. Dies ist im Wesentlichen auf die strikte Performance-Orientierung, die umfangreichen Erfahrungen im konservativen und passgenauen Umgang mit Rentenderivativen sowie den auf Diversifikation und Risikoausgleich angelegten Ansatz des Hauses zurückzuführen.
Der aktive Rentenansatz fußt auf der Tätigkeit von fünf völlig unabhängig voneinander operierenden Alpha-Teams. Die Teammitglieder sind auf die Standorte London, Singapur und Philadelphia verteilt. Jedes Team verlässt sich ausschließlich auf das eigene Research, das nur für das Portfoliomanagement bestimmt ist. Ziel ist es, im eigenen Betätigungsfeld eine Outperformance zu erzielen.
Die zwei Teams für die internationalen Zinsmärkte (Regierungsanleihen) und die Währungsmärkte arbeiten auf einer Overlay-Basis, benötigen keine liquiden Mittel (Nettoinvestition null) und streben ein Alpha im Sinne eines absolut positiven Ertrages an. Die Teams für Global Credits (Investmentgrade), High Yield und Emerging Markets legen die vorhandene Liquidität in ihrem jeweiligen Segment an und eliminieren das Marktrisiko mittels derivativer Instrumente. Ziel dieser Aktivität ist es, dem Geldmarktsatz ein positives Alpha hinzuzufügen. Über die Teams hinweg gibt es keine einheitliche Zinsmeinung, genauso wenig wie für das Haus insgesamt. Jedes der Teams ist für die Performance seines eigenen Weltbildes verantwortlich und soll durch eine „Hausmeinung“ nicht eingeschränkt werden.
Da die fünf Teams völlig unabhängig auf verschiedenen Feldern agieren, sind ihre Alphas auch im statistischen Sinne unabhängig, das heißt, das insgesamt erzielte Alpha aller fünf Teams ist nicht nur beträchtlich, sondern auch relativ geringen Schwankungen unterworfen.
Die Portfolios der Alpha-Teams werden durch so genannte Portfolio-Selection-Teams zwar nicht anlagepolitisch, aber unter dem kundenspezifischen Gesichtspunkt des Risiko-Controllings zu einem Gesamtportfolio kombiniert. Die Umsetzung und Überwachung im Portfolio wird von auf Implementierungsaufgaben, RisikoControlling und Kundenkommunikation spezialisierten Client Portfolio Managern übernommen.
Umgesetzt werden können solche Konzepte in Deutschland mit Hilfe einzelner Spezialfonds oder im Rahmen von Master-Fonds. Für Anlagebeträge unterhalb der Spezialfondsebene bieten sich institutionelle „Fixed Income Alpha Funds“ an, die jeweils unterschiedliche Beta-Strukturen in Bezug auf die Duration und die Währungsdenominierung aufweisen.
Auf diese Weise können auch mittelgroße und kleinere Investoren von verpflichtungsorientierten Portable-Alpha-Konzepten profitieren.
In Zusammenarbeit mit: Aberdeen Asset Management Deutschland
ANSPRECHPARTNER:
Dr. Hartmut Leser Geschäftsführer Aberdeen Asset Management Deutschland
Taunusanlage 15 D-60325 Frankfurt am Main Tel: +0049 (0) 69 719 16 14 – 20 hartmut.leser@aberdeen-asset.com www.aberdeen-asset.de
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