(K)ein Rückblick
von Maik Rodewald, Chefredakteur
Veröffentlicht am: 08. Januar 2007
In der Regel ist es doch so: Die Weihnachtsfeiern sind gefeiert, viele Pläne abgehakt, noch mehr Pläne abgenickt und fertig in der Schublade verstaut.
Zeit also, wie jedes Jahr, die operative Ebene endlich mal wieder zu verlassen, Zeit also für einen Rückblick? Nein! Das lehrt uns immerhin der eindeutig wichtigste Event 2006, das deutsche Sommermärchen: Es war eine schöne Sache – so viel schöner als der mittelmäßige Film darüber.
Außerdem: Für Rückblicke bleibt sowieso keine Zeit, mit Rückblicken ist selten Geld zu verdienen, gerade in unseren Branchen, dem institutionellen Asset Management und der Altersvorsorge. Und zu lernen gibt es auch nichts: Denn der Geschichte bleibt in derart dynamischen Metiers gar keine Zeit, sich zu wiederholen – und das bleibt noch eine ganze Weile so.
Wiederholung wäre Verschwendung, und deshalb gilt auch für die nächsten Jahre: Für „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ erwärmt sich höchstens der deutsche Underground und sein gefeierter Star Peter Licht, der mit dieser Scheibe in diesem Jahr endlich den ganz großen Durchbruch schaffte. Trost in solchen trüben Liedern muss unsere Branche – und jetzt kommt endlich mal ein klarer Ausblick! – auch 2007 nicht finden. Im Gegenteil: Der Rubel rollt, die Assets (under Management, under Custody und under Everything) legen zu, und die Gehälter steigen.
Ein noch ungewohnter aber ermutigender Beleg dafür, wieviel Musik derzeit in der Branche steckt: Mittlerweile recherchieren hierzulande vier institutionelle Magazine, allesamt von einer Qualität, die sich hinter der englischer Publikationen nicht zu verstecken braucht. Ebenfalls bezeichnend: Die Alteingesessenen, dpn und portfolio institutionell, sozusagen die Pioniere (die im nächsten Jahr fünf Jahre alt werden), tragen noch deutsche Namen; die beiden Neuen heißen schon „institutional investment“ und „institutional money“.
Und wie lautet der Ausblick für die Kapitalmärkte? So angenehm wie 2006, vor allem an den Aktienmärkten, geht es nicht weiter. Das geht einfach nicht, auch wenn Alan Greenspan seine Wette gewinnen wird – vergleiche „Des Maestros letzte große Wette“ auf Seite 53.
Doch seid erinnert an die Hymne des Sommermärchens: „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer.“ Nicht zuletzt dieser Song hat in unserer „goldenen Generation“ die Kräfte für ihre überragende Performance geweckt. Wenigstens dafür kann doch mal die Geschichte bemüht werden – Ausnahmen bestätigen eben die Regel.
Herzlichst, Ihr
Maik Rodewald, Chefredakteur
Druckerfreundliche Version
Als E-Mail verschicken
weitere Artikel
|