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Institutionelle entdecken die Nachhaltigkeit langsam aber stetig

Veröffentlicht am:  08. Januar 2007
— Claudia Kruse,F&C

Die Berliner Ärzteversorgung beauftragte F&C Asset Management mit einem Mandat für das aktive Responsible Engagement Overlay (Reo) ihrer globalen Aktienbestände von rund 900 Millionen Euro.

Dabei sollen die Aktienbestände kontinuierlich auf Nachhaltigkeit und Corporate Governance überprüft werden.


Engagement ist gefragt


F&C wird die Berliner Ärzteversorgung zum einen bei Hauptversammlungen vertreten, zum anderen soll mit den Unternehmen ein konstruktiver Dialog, das so genannte Engagement, über dringliche Fragen der Corporate Governance, Umwelt, Ethik und Soziales geführt werden. Im Gegensatz zu anderen auf dem Markt befindlichen Screening-Ansätzen werden bei Reo keine Aktien aus dem Portfolio ausgeschlossen, die Portfolio-Zusammensetzung und die damit erzielte Performance wird dadurch nicht beeinflusst. Zudem wird das Aktienkapital der Berliner Ärtzeversorgung von den bisherigen Asset Managern weiter verwaltet. „Wir wollen die Pensionen unserer Ärzte nachhaltig über die nächsten Jahrzehnte sichern. Zudem üben wir als Ärzte einen Beruf mit hoher sozialer Verantwortung aus. Von der Geldanlage erwarten wir das Gleiche“, sagt Dr. Günther Jonitz, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Berliner Ärzteversorgung und Präsident der Ärztekammer Berlin, der bei der Mandatsvergabe von RMC Risk Management Consulting beraten wurde.

Gleichwohl sieht die Realität anders aus: Nach Angaben des Forums für nachhaltige Geldanlagen (FNG) in Berlin verwalteten deutsche Finanzdienstleister Ende 2005 etwas über 6,4 Milliarden Euro in nachhaltigen Mandaten. Hiervon entfielen rund 2,4 Milliarden auf die Institutionellen. Zwar können sich die Steigerungsraten zu den Vorjahren sehen lassen. Seit Dezember 2002 wuchs das Volumen um über 120 Prozent. Gleichwohl entspricht dies einerseits immer noch lediglich einem Bruchteil aller in Deutschland verwalteten institutionellen Gelder, andererseits liegt Deutschland im internationalen Vergleich – insbesondere mit angelsächsischen aber auch skandinavischen Ländern – immer noch deutlich hinten. Selbst die Schweiz investiert mehr Kapital in nachhaltige Anlagen, rund 20 Prozent hiervon stammen beispielsweise vom schweizerischen AHV Ausgleichsfonds. Doch warum scheuen deutsche Institutionelle die nachhaltigen Anlagen derart?


BVV: Noch keine konkreten Nachhaltigkeitspläne


„Wir prüfen etliche Investmentansätze, so auch nachhaltige Investments. Dennoch spielt die Rendite für unsere Versicherten die allererste Geige und nicht die Art des Investmentansatzes“, sagt Rainer Jakubowski, Vorstand beim Versicherungsverein des Bankgewerbes (BVV). Jakubowski zeigt sich der Nachhaltigkeit gegenüber gleichwohl durchaus aufgeschlossen, denn auch er sieht, dass diese Themen zunehmend an Bedeutung gewinnen, insbesondere wenn sie von Institutionellen aufgegriffen werden –beispielsweise in dem sie nachhaltiges Investieren als einen festen Bestandteil ihrer Investmentstrategie definieren. „Dadurch steigt natürlich die Nachfrage nach solchen Investments und damit auch das Renditepotenzial“, sagt der gleichwohl das Renditepotenzial von nachhaltigen Anlagen noch hinterfragende Jakubowski. Dies sei jedoch die Grundvoraussetzung für den BVV. Denn wenigstens sollten sich nachhaltige Investments nicht schlechter entwickeln als traditionelle Anlagen. Die logische Konsequenz hieraus: Beim BVV gibt es für 2007 noch keine konkreten Pläne, reine Nachhaltigkeitsfonds ins Portfolio zu nehmen.


Ein Ziel: Reputationsrisiken begrenzen


Doch es gibt auch andere Einschätzungen. „Wir beobachten bei institutionellen Investoren einen Trend hin zu aktiver Aktionärspolitik und zu verstärkter Transparenz. Die Verantwortlichen sehen sich eben zunehmend mit kritischen Fragen ihrer Kunden und Anleger konfrontiert“, sagt Claudia Kruse von F&C. Gleichzeitig seien die Reputationsrisiken für Unternehmen eindeutig gestiegen. Das gleiche gelte im übrigen auch für Schadenersatzklagen. Eine Entwicklung, die zunehmend auch nach Deutschland überschwappe. Und genau hier will F&C ansetzen. „Wir werden von etlichen Unternehmen als externes Radar wahrgenommen. Die Unternehmen verstehen, dass sie ihre Reputationsrisiken dadurch senken können, in dem sie sich nachhaltig verhalten“, erklärt Kruse weiter. Und das wiederum spiegle sich langfristig auch in einer besseren Performance wieder. Denn im Prinzip wolle man das Gleiche: „den Unternehmenswert nachhaltig steigern.“

F&C betreut derzeit 52 Milliarden Euro im Rahmen des Reo-Ansatzes. Bereits mit im Boot sitzen die holländischen Pensionsfonds PGGM und PME, die schottischen Adressen Aberdeen County Council und der Lothian Pension Fund, sowie die österreichische Carl Spängler KAG. F&C führt derzeit intensive Gespräche mit Pensionseinrichtungen der Kirchen sowie Vorsorgungseinrichtungen der freien Berufe. Über neue Mandate gab das Unternehmen jedoch keine Auskunft.

ML



Der Dachverband für nachhaltige Investments Eurosif (www.eurosif.org) hat ebenso wie das Forum für nachhaltige Geldanlagen (www.forum-ng.de) einen Leitfaden für institutionelle Investoren entwickelt. Beide geben Anregungen, wie ökologische, soziale und ethische Kriterien in den Investmentprozess integriert werden können.

ML

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