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Die Aufsicht gewinnt

Veröffentlicht am:  10. Oktober 2006

Das nennt man ein Projekt: Man ist besser aufgestellt als vorher, und alle verstehen warum. Das klappt mit Offenheit und Transparenz – gegenüber Gremien und Aufsicht. Und das Risikobudgetierungsprojekt der BVK zeigt auch: Mathematik und Statistik sind auch für ein berufsständisches Versorgungswerk mittlerweile eine conditio sine qua non.

Fragen: Maik Rodewald

Antworten: Daniel F. Just, stellvertr. Vorstandsvorsitzender der BVK,

André Heimrich, Bereichsleiter Kapitalanlagen der BVK (Mitte),

Herwig Kinzler, Leiter Mercer Investment Consulting (rechts)

dpn: Herr Just, mit dem Projekt Risikobudgetierung haben Sie Neuland betreten. Wie aufgeschlossen waren die Gremien in den zwölf Versorgungswerken?

Just: Unsere Gremien sind mittlerweile mit dem Thema ALM vertraut, und grundsätzliche Bedenken gab es nicht. Das Verständnis, mit Dynamisierungen in der Niedrigzinsphase vorsichtiger umzugehen und lieber in Risikobudgets zu investieren, ist enorm gewachsen. Die Aufsicht durch die Verwaltungsräte hat eine neue Qualität bekommen. Man diskutiert nicht mehr über Operatives und Asset-Klassen, sondern hat das Gesamte im Blick. Das versachlicht das Thema Asset Allocation.

dpn: Herr Kinzler, teilweise waren Sie bei den Präsentationen in den Versorgungswerken dabei. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Kinzler: Die Versorgungswerke waren sehr erleichtert, dass es eine ausgefeilte und pragmatische Lösung für das Problem der andauernden Niedrigzinsphase gibt. Die häufigste Frage der Gremienvertreter war, ob durch das Projekt die Wahrscheinlichkeit von Abschreibungen steigt. Wir haben die Wahrscheinlichkeit von Abschreibungen bei der Modellierung zwar berücksichtigt. Aber die Botschaft lautet auch: Je breiter das Anlagespektrum wird, desto wahrscheinlicher sind Abschreibungen. Aber gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass man insgesamt Reserven aufbaut – eben weil man diversifizierter anlegt.

Heimrich: Das schließt auch die Klammer zur Mandelbrot-Diskussion. Wir wissen natürlich, dass einige Asset-Klassen nicht normalverteilt sind, und dass fat tails existieren. Unsere Aufgabe ist es, die Asset Manager und die Vermögensaufteilung so auszuwählen, dass die fat tails für die Gesamtallokation reduziert werden. Außerdem arbeiten wir mit konservativen Annahmen für Rendite, Risiko und Korrelationen.

dpn: Was haben Sie bei dem Projekt gelernt?

Just: Erstens, dass man bereit sein muss, sich mit viel Mathematik und Statistik auseinanderzusetzen. Das ist sowieso ein Trend, den ich auch in den Anlageausschusssitzungen bemerke: Man hat immer häufiger mit Physikern zu tun. Die Mathematik können Sie zwar nicht eins zu eins in die Kapitalanlageplanung umsetzen – aber es gibt Ihnen ein viel detaillierteres Gefühl dafür, wie der Transformationsprozess sicherer gestaltet werden muss. Zweitens: Man muss rechtzeitig tätig werden. Gerade in Niedrigzinsphasen haben Institutionen mit etwas mehr Bewegungsspielraum einen enormen Vorteil. Drittens: Man muss offen gegenüber den Gremien kommunizieren, auch wenn das viel Arbeit macht. Dann gibt es auch die gewünschten strategischen Diskussionen mit den Berufsständlern.

dpn: Was sagt die Aufsicht zu Ihrem Projekt?

Just: Das Wirtschaftsministerium ist sehr zufrieden, wie wir das Risiko steuern und überwachen. Wir können die Risiken beherrschen, die wir eingehen, davon haben wir die Aufsicht überzeugt. Die monatlichen Risiko-Reports gehen an den Vorstand der BVK und an die Aufsicht. Zeigt die Ampel nach unserer Systematik die Farbe rot, muss die Aufsicht darüber sowieso informiert werden.

dpn: Künftig haben Sie aber mit dem Innenministerium zu tun, weil Ihre Rechtsaufsicht und die Versicherungsaufsicht zusammengelegt werden. Können die Mitarbeiter mit Ihren Reports etwas anfangen?

Just: Unbedingt, unsere Aufsicht ist für uns sogar ein Sparringspartner. In der Niedrigzinsphase hat sie aktiv Überzeugungsarbeit bei den Gremien geleistet, Dynamisierungen erst einmal zurückzustellen. Das ist eine aktive Aufsicht und sie wird noch aktiver werden, denn sie wird auch personell gestärkt. Bei unserem Risikobudgetierungsprojekt war die Aufsicht über die einzelnen Schritte informiert.

dpn: Die Bafin beaufsichtigt die BVK nicht, gleichwohl hat sie aber Interesse, wie Großanleger ihr Risikomanagement organisieren. Hat sich die Bafin diesbezüglich einmal bei Ihnen gemeldet?

Heimrich: Nein, das erwarten wir auch nicht. Es ist auch ein spezifisch auf Versorgungswerke zugeschnittenes Projekt, das Sie nicht eins zu eins auf Lebensversicherer oder Pensionskassen übertragen können.

dpn: Und wie steht es mit den anderen Landesaufsichtsbehörden, die für berufsständische Versorgungswerke zuständig sind? Die stimmen sich doch auch untereinander ab.

Just: Es hat sich noch keine andere Landesaufsicht bei uns gemeldet. Aber das Projekt ist auch noch ganz frisch und wird gerade noch implementiert. So bekannt ist es noch nicht.

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